Executive Outcomes
Eine Privatfirma erkennt die neuen Bedürfnisse der Zeit.
Die von weißen Apartheidsregierungen beherrschten Staaten Rhodesien und Südafrika galten lange als ein letztes Refugium für weiße Söldner.
In ihrem permanenten Kampf gegen die "schwarze Gefahr" beschäftigten diese Länder nicht nur eine beträchtliche Anzahl von Ausländern in ihren
Spezialeinheiten, sondern unterstützten auch immer wieder antikommunistische Gruppen in anderen afrikanischen Staaten wie im Kongo oder Angola.
Außerdem hatte sich durch das Embargo in Südafrika eine florierende Waffenindustrie entwickelt, die nach Exportmärkten suchte und in den
Spezialeinheiten wurden zudem ständig Soldaten ausgebildet, die das notwendige Know How der Bandenbekämpfung, des Buschkrieges und der
damit verbundenen Geheimdienstaktivitäten glänzend beherrschten.
Dann fiel jedoch 1980 Rhodesien und schließlich wurde 1994 in Südafrika die Macht
von Nelson Mandelas ANC übernommen. In Südafrika konnten allein
schon aus Rücksicht auf den inneren Frieden die weißen Soldaten nicht
einfach entlassen werden, zudem lässt sich mit gutem Grund vermuten, dass auch Mandela
auf diese Spezialisten nicht ganz verzichten konnte. Aber der Spielraum wurde enger und
die Zukunftsperspektiven waren alles andere als rosig. Da erschien
Luther Eeben Barlow auf der Bühne. Er war ein Mitglied des in Südafrika legendären
32. "Buffalo" Bataillons. Diese zum Kampf in Angola aufgestellte Eliteeinheit wurde zwar von
weißen südafrikanischen Offizieren geführt, die Mannschaften dagegen wurden hauptsächlich unter
Einheimischen in Angola rekrutiert. In Angola kämpfte das Bataillon als Verbündeter der
prowestlichen UNITA gegen die marxistische MPLA und die mit ihr verbündeten Kubaner. Barlow
hatte die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt und als Kenner afrikanischer Probleme bereits 1989
die Militärberatungsfirma "Executive Outcomes" (in Deutsch etwa: "Befehle ausgeführt")
gegründet. Er sagte selbst über seine Idee: "War and anarchy will reign in
Africa because it has been exploited by people making promises. The Cold War left a huge vacuum
and I identified a niche in the market - we are selling the business of surviving."
Anfangs schien Barlow der historischen Entwicklung zu schnell vorausgeeilt zu sein, denn die Geschäfte liefen schlecht. Das änderte sich als der ehemalige
SAS Offizier Tony Buckingham an die Firma herantrat. Buckingham vetrat eine britische Ölfördergesellschaft, die zwar Konzessionen für große Ölfelder in
Angola hatte, diese aber wegen des Bürgerkrieges nicht ausbeuten konnte. Buckingham beauftragte Ende 1992 Executive Outcomes damit, die Fördergebiete
von Kräften der Rebellen zu säubern und künftig zu sichern. Dass die südafrikanischen Söldner dabei gegen ihre ehemaligen Waffenbrüder von der UNITA kämpfen
sollten, spielte nach dem Ende des Kalten Krieges keine Rolle mehr. Ganz im Gegenteil war es wahrscheinlich eher ein Vorteil, denn die Söldner kannten ihre
Gegner, deren Schwächen und das Terrain. In einigen harten Gefechten gelang es Executive Outcomes dann auch die Region um Soyas von den Rebellen zu
erobern und damit die Ölförderung zu sichern.
Die offizielle Regierung in Angola, deren Truppen dazu nicht in der Lage gewesen waren, war von dem Erfolg der Aktion so beeindruckt, dass sie dem
Unternehmen angeblich 45 Millionen Dollar jährlich für seine Dienste anbot. Barlow nahm gerne an, allerdings nicht ohne sich vorher bei Südafrikas
kommenden Machthabern, Nelson Mandelas ANC die Erlaubnis dazu zu holen. Erstens fühlte sich der ANC Angola gegenüber verpflichtet, da er dort in
seiner Kampfzeit Truppen ausgebildet hatte, zweitens führte Barlow ein interessantes Argument ins Feld, er wolle vor allem die Kräfte beschäftigen, die
dem ANC sonst gefährlich werden könnten. Man sollte hier an die seit Urzeiten beliebte Methode denken, sich unliebsamer Gruppen mit Hilfe des
Fremdendienstes zu entledigen. So berichtet Herodot eine ähnliche Geschichte über Polykrates von Samos, und 1605 schickte die schottische
Regierung 150 Männer eines besonders unruhigen Clans in die Niederlande damit sie "möglichst alle dort umkommen". Ähnliches ging vielleicht
auch Mandela durch den Kopf.
Mit der Hilfe von Executive Outcomes gelang es der angolanischen Regierung Terrain zurück zu gewinnen. Natürlich hatten die Söldner längst nicht mehr die
spektakulären Erfolge wie einst im Kongo. Selbst mit einigen tausend Mann kann heute kein Land von der Größe Angolas erobert und gesichert werden.
Ihre Aufgabe bestand darin durch die Sicherung von Ölfeldern und Minen Devisen ins Land zu bekommen und die Regierungstruppen auszubilden. Dass es
dabei nicht immer blieb versteht sich von selbst und auch Executive Outcomes musste Verluste einräumen. Das war besonders ärgerlich, da in Südafrika
manchmal Leute mit der Zusage angeworben wurden, in Angola lediglich Securitydienste zu leisten und sich dann plötzlich im Buschkrieg wiederfanden.
So wurde der Fall einer Mrs. Judith Bezuidenhout bekannt der Mutter von Neil Bezuidenhout einem ehemaligen Mitglied der Südafrikanischen Special Forces.
Neil war für Executive Outcomes nach Angola gegangen um dort Ölfelder zu bewachen und dann als vermisst gemeldet worden. Bei den Versuchen das
Schicksal ihres Sohnes aufzuklären fand Judith Bezuidenhout die Mitarbeiter von Executive Outcomes nicht gerade sehr kooperativ, wie sie in einem
Interview der Zeitung "THE NEW AMERICAN" erklärte. Schließlich erhielt sie eine Nachricht von einer Krankenschwester aus London, die vorher in Angola
gearbeitet hatte, dass ihr Sohn am Leben sei und als Kriegsgefangener der UNITA in einer Diamantmine arbeite.
Barlow musste sich über solche Sachen nicht den Kopf zerbrechen. Nach dem Erfolg in Angola liefen seine Geschäfte glänzend. Executive Outcomes war
bald in einer ganzen Reihe von Ländern tätig und bot mit Dutzenden von Sub- und Partnerfirmen ein immer größeres Spektrum von Dienstleistungen an,
von der Militärberatung, über Lufttransporte und Bergbau bis hin zu ganz zivilen technischen Fragen. Als Bezahlung werden auf Schürfrechte und
Förderkonzessionen entgegengenommen, die dann an mit Executive Outcomes verbundene Firmen weitergegeben werden. Barlows Schwierigkeiten waren
anderer Art. 1995 forderte Bill Clinton Angola auf, den Vertrag mit Executive Outcomes zu kündigen, da die Amerikaner bei den laufenden
Friedensverhandlungen die Sache der UNITA nicht völlig aufgeben wollten.
Ohne Protest zog sich Executive Outcomes bereits wenige Monate später aus Angola zurück. Doch die Geschäftspraktiken hatten sich seit den
Zeiten der Condottiere alten Schlages wie Bob Denard oder Mad Mike Hoare gewaltig geändert. Bewährte Mitarbeiter wechselten einfach zu
anderen Firmen, die Ölquellen in Cabinda, Minen oder den Flughafen von Luanda schützen. Andere flogen direkt nach Sierra Leone, um auch
dort für die notwenige Ordnung zu sorgen, damit die Minen des Landes endlich wieder arbeiten können. Inzwischen ist Executive Outcomes oder
eine ihrer Tochterfirmen in fast jedem schwarzafrikanischen Land auf die eine oder andere Art tätig. Allerdings nur selten direkt an militärischen
Konflikten beteiligt.
Barlows Imperium ist gewaltig gewachsen. Die Mehrzahl seiner Söldner sind Schwarze, das schwere Gerät kommt oft aus den übervollen Arsenalen
des ehemaligen Ostblocks, einschließlich einiger Piloten, die die Antonov-Transporter, Mi17 und Mi24 Helikopter oder die MiG-Jets fliegen. Seit sich
in Südafrika Stimmen häufen, die von einer neuen Eroberung Afrikas durch die Buren sprechen, denkt man dort über Gesetze nach, um die Aktivitäten
der Söldnerfirmen einzuschränken. Doch damit lässt sich der neue Trend wohl nicht mehr stoppen. Angeblich haben bereits mehrere afrikanische Staaten
Barlow und seiner Firma eine neue Heimat angeboten. Die Busch-Administration steht den Interessen der großen Konzerne wohlwollender gegenüber.
Savimbi ist tot und damit sind auch die Rücksichten auf die UNITA entfallen.
Das Auffallendste an diesem Vormarsch der Söldnerfirmen ist das geringe Interesse auf das er in den Medien stösst. Wenn man an den Aufruhr denkt,
den der Einsatz einiger Söldner im Kongo in den sechziger und in Angola in den siebziger Jahren verursacht hat, ist es zur Zeit bemerkenswert still. Keine
Protestnoten der Organisation Afrikanischer Staaten, kein Bannstrahl von der UNO, kein Aufschrei von Menschenrechtsorganisationen, keine Skandalberichte
in der Presse. Das liegt sicher zum Teil an den allgegenwärtigen Kapitalinteressen. Alle Länder brauchen afrikanisches Öl und Mineralien und dazu ein
Minimum an Sicherheit, was die UNO ganz offensichtlich nicht leisten kann. Es wurde in diesem Zusammenhang schon festgestellt, dass der nicht gerade
billige Einsatz von Executive Outcomes in Angola nur einen Bruchteil von dem der UN-Truppen im gleichen Land kostete, im Gegensatz dazu aber wesentlich
bessere Resultate brachte. Den Medien ist es beim Betrachten dieser Aktivitäten einerseits ganz offensichtlich unwohl, andererseits hat aber auch kaum jemand
eine akzeptable Alternative angesichts der chaotischen Zustände in vielen afrikanischen Staaten. So räumte Kofi Annan bereits ein: "Als wir erfahrene
Soldaten brauchten, um die Kämpfer von den Flüchtlingen in den ruandischen Flüchtlingslagern in Goma zu trennen, zog ich auch die Möglichkeit in Betracht
eine Privatfirma zu beauftragen. Aber die Welt ist wahrscheinlich noch nicht bereit, den Frieden zu privatisieren."
Wahrscheinlich ist Welt dazu tatsächlich noch nicht bereit, aber die großem internationalen Konzerne haben längst damit angefangen. Und da in der
sogenannten ersten Welt die Bereitschaft schwindet Soldaten, oder gar Wehrpflichtige - die Basis jeder demokratischen Armee - in die Konfliktregionen
der dritten Welt zu schicken, scheint man hier zumindest bereit zu sein, es geschehen zu lassen und so zu tun als wisse man nichts davon.
© Frank Westenfelder
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