Die Israelis

Der Zeit voraus.

Die Geschichte Israels hat zwar sicher viel mit der der Juden zu tun, ist aber unter militärhistorischen Gesichtspunkten eine andere. So wäre es sicher sehr interessant die Geschichte jüdischer Söldner genauer zu untersuchen. Doch dabei müsste man sich als erstes mit dem jüdischen Volk in der Antike beschäftigen. Getrennt davon könnte man sich dann mit jüdischen Söldnern in Europa als Teil einer verfolgten religiösen Minderheit widmen – von einem "Volk" zu sprechen wäre ja sicher falsch. Die Gründung des modernen Israel war dann eine Reaktion auf eben diese Verfolgungen, und man kann sicher davon ausgehen, dass es ohne den Holocaust wohl nie dazu gekommen wäre.

Der Staat Israel war also zur Zeit seiner Gründung ein Kunstgebilde, für das die Königreiche Salomons und Davids mehr historische Kulisse waren. Wie auch viele Einwanderer Hebräisch erst als Fremdsprache lernen mussten. Die Erfahrung von Verfolgung und Holocaust wurde dabei zum fundamentalen Bindemittel, um aus diesen äußerst verschiedenen Einwanderergruppen – westeuropäische, russische, arabische oder äthiopische Juden – ein Volk zu bilden und mit einem Identitätsgefühl zu versorgen. Bald kam dann jedoch der Dauerkonflikt mit den Palästinensern und den arabischen Nachbarstaaten als identitätsstiftendes Element hinzu.

In mehreren Kriegen musste der junge Staat verzweifelt um sein Existenzrecht kämpfen, und zumindest am Anfang konnte er dabei auf keine sicheren Verbündeten zählen. Im Gegensatz zu den europäischen Staaten wird der äußerst harte Wehrdienst deshalb auch von einem Großteil der Bevölkerung nicht als lästige oder gar unzumutbare Verpflichtung empfunden, sondern als absolute Notwendigkeit. Das Resultat ist, dass die israelischen Streitkräfte heute wahrscheinlich in Bezug auf Erfahrung, Ausbildungsstand und Motivation weltweit einsam an der Spitze liegen.

Anschlag der Irgun 1947 Als entscheidend erwiesen sich hier nicht die spektakulären Siege gegen die arabischen Staaten, sondern der Kleinkrieg gegen die Palästinenser und der permanente Kampf gegen den Terrorismus. Zu einer Zeit als westliche Staaten noch auf Panzerdivisionen setzten und nicht wussten wie sie auf Bombenanschläge und Flugzeugentführungen reagieren sollten, war man in Israel mit dieser Form des Krieges bereits seit langem vertraut. Es war ja nicht nur so, dass man sich vor solchen Anschlägen schützen musste. Einige der wichtigsten israelischen Politiker und Militärs hatten ihre Karrieren selbst in der Illegalität oder als Terroristen begonnen. Sie waren absolute Fachleute, und was man auf der Welt noch nicht kannte, lernten sie meistens schmerzhaft als erste.

In Israel führte man längst den Krieg des 21. Jahrhunderts, als die restliche Welt noch mit dem Kalten Krieg beschäftigt war. Es versteht sich deshalb von selbst, dass so ein Know-how gerade auf dem Söldnermarkt stark gefragt war. Wahrscheinlich ist es aber auch ein Charakteristikum der Modernität dieser Geschäfte, dass sie meistens in aller Stille abgewickelt wurden. Während die Presse noch große Berichte über die letzten paar Dutzend Unentwegter in Biafra oder Angola schrieb, viele Möchtegernsöldner verzweifelt nach einem "Job" in einschlägigen Blättern oder Brüsseler Bars suchten, waren Spezialisten aus Israel bereits in beträchtlichen Zahlen weltweit im Einsatz.

Neben Professionalität und Diskretion nahmen die Israelis die kommende Welt der PMCs noch in einem weiteren wichtigen Punkt vorweg. Und dies war die enge Verflechtung von Staat, Rüstungsindustrie, Militär, Geheimdiensten und privaten Militärfirmen. Die große Differenz zwischen den fast noch archaischen Kongosöldnern und modernen Firmen wie Sandline oder Blackwater, die heute so vielen Kommentatoren auffällt, hätte man bereits vor gut 30 Jahren beobachten können, wenn sie nur jemand dafür interessiert hätte.

Auch hier liegen die Ursachen in der Gründung und der speziellen Situation Israels. Wie für die DDR oder Taiwan war es für den neuen Staat von enormer Bedeutung, die außenpolitische Isolierung zu überwinden und diplomatisch anerkannt zu werden. Dazu kam, dass man in den ersten Kämpfen gegen die Araber gelernt hatte, dass auf die westlichen Verbündeten wenig Verlass war. Dort wollte es sich kaum jemand mit den immer wichtiger werdenden Öl produzierenden arabischen Ländern verscherzen. Bedroht von Waffenembargos war Israel gezwungen eine eigene Rüstungsindustrie aufzubauen, für die man allein schon wegen der hohen Entwicklungskosten größere Absatzmärkte brauchen würde. Selbst die USA – heute Israels zuverlässigster Schirmherr – hatten sich lange äußerst indifferent verhalten. Noch während der Suezkrise 1956 hatten sie Nasser diplomatisch unterstützt und ihm damit zu einem großen Erfolg verholfen. Anschließend hatten sie Ägypten sogar mit deutschen Raketentechnikern versorgt, um zumindest der Form halber die Neutralität zu wahren.

Auf der Suche nach Verbündeten hatte die israelische in Schwarzafrika, Lateinamerika und einigen asiatischen Staaten die schnellsten Erfolge. Man präsentierte sich als junger, nicht kolonialistischer und blockfreier Staat und war immer bereit mit qualifizierten Beratern und Waffen beim Aufbau von Armee und Sicherheitsdiensten behilflich zu sein. Allein in Afrika arbeiteten israelische Berater in der Elfenbeinküste, der Zentralafrikanischen Republik, Dahomey, Kamerun, im Senegal, Togo, Tansania, Uganda, Äthiopien, Nigeria, Somalia und Zaire. Als die Kongosöldner 1967 in Bukavu ihre letzte verzweifelte Schlacht gegen Mobutus Truppen schlugen, standen sie von Israelis ausgebildeten Fallschirmjägern gegenüber. Es gab aber auch geheime Aktionen, wie die Hilfe für die Rebellen im Südsudan, die hauptsächlich in Äthiopien aber auch vor Ort ausgebildet und versorgt wurden. Steiner begegnete dort einigen Israelis 1970.

Je mehr sich jedoch die Hauptgegner Syrien und Ägypten der Sowjetunion annäherten, desto mehr wurde für Israel strenger Antikommunismus zu einem entscheidenden Kriterium bei der Auswahl seiner Partner. Es kam zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Schah von Persien, Spezialisten vom Mossad schulten Mitarbeiter des berüchtigten SAVAK, und man arbeitete gemeinsam an der Entwicklung einer Mittelstreckenrakete. Auf den Philippinen bildeten Sicherheitsfirmen die Leibwächter von Ferdinand Marcos und Milizen von reichen Großgrundbesitzern aus. Auch mit dem Somoza-Clan in Nicaragua kam es schon relativ früh zu einer äußerst engen und dauerhaften Zusammenarbeit. Gerade unter den Militärdiktatoren Lateinamerikas hatte Israel regelrechte Bewunderer. Neben den Somozas gehörten General Pinochet in Chile, General García in Guatemala, Major D’Auboisson in El Salvador und General Stroessner in Paraguay dazu.

Israel Durch diese offiziellen Kontakten entstanden natürlich eine ganze Reihe persönlicher Beziehungen, was wiederum dazu führte, dass viele Offiziere im Ruhestand ihre Dienste als Antiterrorspezialisten, Ausbilder oder Leibwächter anboten. In Mittelamerika wurden die herrschenden Schichten ja nicht nur durch politische Attentate bedroht, sondern auch durch Entführungen, bei denen es ausschließlich um Geld ging, und ganz um Gegensatz zu den einheimischen Polizeikräften hatten die Israelis schnell einen hervorragenden Ruf bezüglich Effektivität und Zuverlässigkeit. Ein Sicherheitsexperte sagte deshalb zum Problem der Entführungen in Guatemala: "wenn Geld kein Problem ist, empfehle ich ehemalige israelische Fallschirmjäger oder Kommandos. Das Problem mit den einheimischen Typen ist, dass man nie weiß, auf welcher Seite sie stehen."

Im Laufe der 60er Jahre geriet Israel dann immer mehr ins Fahrwasser der USA, während Syrien und Ägypten massiv von der Sowjetunion aufgerüstet wurden. Dadurch verstärkte sich dann die Zusammenarbeit mit den lateinamerikanischen Diktatoren und wurde in einigen Fällen auch diskret von der CIA finanziert. Der Nachteil war, dass die einst so erfolgreiche Afrikapolitik fast vollständig scheiterte. Israel wurde zunehmend als "Werkzeug des US-Imperialismus" gebrandmarkt und einige afrikanische Staaten brachen ihre diplomatischen Beziehungen ganz ab. Um diesen dramatischen Einbruch zu kompensieren, begann Israel nun seine anfangs sehr kühlen Verbindungen zu Rhodesien und Südafrika auszubauen.

Für viele Israelis war die Zusammenarbeit mit den rassistischen Systemen im südlichen Afrika zwar ein Skandal, die Militärs scheinen sich jedoch hervorragend verstanden zu haben. Hier wie dort gab es die gleiche Lagermentalität: man fühlte sich umgeben von einer Unmenge fanatischer Kommunisten und Terroristen, völlig zu Unrecht von aller Welt angeklagt, und reagierte darauf fast ausschließlich mit Militär und Polizei, die deshalb in der Gesellschaft eine relativ hohe Stellung einnahmen. Die Südafrikaner hatten ihre schwarzen Homelands und Townships und die Israelis die Flüchtlingslager der Palästinenser. So gesehen erstaunt es nicht, dass Rhodesien in Israel eine ganze Reihe freiwilliger Legionäre für seine Armee werben konnte. Einige Ausbilder in Südafrika antworteten auf die Frage, wie sie sich fühlten: "ganz wie zu Hause" – das Interview mit Kongo-Müller, der die Lage der Schwarzen in Südafrika lachend mit der der Juden im Dritten Reich verglich, kannten sie sicher nicht.

Am besten entwickelten sich die Beziehungen zu Südafrika. Gemeinsam arbeitete man an einer Atombombe. Südafrika stellte das Uran und Israel einen Großteil der Techniker. Aber auch sonst konnte der Apartheid-Staat viel lernen. Die großen Unruhen in den Townships kündigten sich erst ganz langsam an, und nach dem Abzug der Portugiesen verschärften sich die Grenzkonflikte mit Angola und Mocambique. Israel verfügte hier dagegen über Jahrzehnte an Erfahrungen. Es lieferte Techniker zum Bau von Grenzsicherungsanlagen, Ausbilder für Antiterroreinheiten und Kommandotruppen. Der Aufbau der berühmten südafrikanischen "Reconaissance-Commandos", kurz "Recce" geht wahrscheinlich auf israelische Instrukteure zurück. Wie immer blieben viele der Spezialisten gleich im neuen gelobten Land, und man kann annehmen, dass einige auch entscheidend am Aufbau der ersten südafrikanischen Sicherheitsfirmen mitwirkten.

Es gab natürlich auch Rückschläge. 1978 wechselte Äthiopien endgültig ins sowjetische Lager und die israelischen Berater mussten abziehen. Im folgenden Jahr fielen mit dem Schah von Persien, Somoza in Nicaragua und der weißen Regierung in Rhodesien gleich drei wichtige Verbündete. Doch dadurch wurde nur erfahrenes Personal freigesetzt, das nun oft auf dem freien Markt nach Kunden suchte, wobei die erprobten Netzwerke aus bewährten Verbindungen und alten Kameraden sehr hilfreich waren. Eine Studie schätzt deshalb für 1987 die Zahl der international tätigen israelischer Söldner auf über 1.000, und bezeichnet Israel gemessen an seiner Bevölkerungszahl als den "größte Exporteur" von Söldnern weltweit.

Da die meisten Staaten jedoch ganz offen von den Großmächten unterstützt wurden, blieben den Israelis oft nur die Kunden, die damals sogar den USA als zu schmutzig erschienen. Da war zuerst einmal Südafrika, das außenpolitisch immer mehr isoliert wurde; Somoza hatte von Israel noch Waffen erhalten, als die USA längst ein Embargo verhängt hatten. Dazu kamen Zaire, Sri Lanka, Haiti, Panama, Guatemala und bald die Contras in Nicaragua. Israel geriet dadurch immer mehr in die Rolle für die CIA die Drecksarbeit zu übernehmen, und die Regierung der USA konnte offiziell ihre Hände in Unschuld waschen. Gerade in Mittelamerika schätzte man, dass Israel nie so viel Aufhebens wegen der Menschenrechte machte. So lobte ein guatemaltekischer Politiker: "Man bezahlt, sie liefern. Keine Fragen wie bei den Gringos". Da diese Geschäfte aber mit äußerster Diskretion abgewickelt werden mussten, überließ man sie gerne den Privatfirmen ehemaliger Militärs, so dass sich auch die Regierung in Jerusalem zur Not davon distanzieren konnte.

Moshe Ivgy Wie diese Dinge manchmal konkret abliefen, zeigt der Fall Michael Harari, der als Privatmann zum zweitwichtigsten Mann in Panama nach Noriega wurde. Harari war in Israel ein Held. Er hatte lange beim Mossad in hoher Stellung gedient und war dort mit der Leitung der Racheaktion für das Attentat bei den olympischen Spielen in München 1972 beauftragt worden - in Steven Spielbergs Film "München" (2005) ist der Schauspieler Moshe Ivgy als Harari zu sehen. Im Verlauf der Operation wurden dann zwar die meisten Attentäter ermordet, allerdings wurde auch im norwegischen Lillehammer ein unschuldiger marokkanischer Kellner erschossen, den man mit einem PLO-Chef verwechselt hatte. Dies führte nicht nur zu einer veritablen diplomatischen Krise mit Norwegen, sondern dort ließ man Harari als Hauptverantwortlichen auch mit internationalem Haftbefehl suchen.

In Jerusalem hielt man es deshalb für besser Harari erst einmal aus der Schusslinie zu bringen und machte ihn zum Leiter der Mossad-Außenstelle für Mittelamerika in Mexiko-City. Ende der 70er Jahre verließ Harari dann offiziell den Mossad und eröffnete in Panama ein Im- und Eport-Unternehmen für Landwirtschaftsmaschinen aus Israel, eine ideale Tarnung für den Waffenhandel. Hauptsächlich kümmerte er sich jedoch um die Ausbildung von Panamas Streitkräften. Aus der Nationalgarde, vorher ein loser und korrupter Haufen, formte er mit Hilfe anderer Israelis die "Panamanian Defence Force" (PDF). Er machte dann unter Noriega schnell Karriere und viele hielten ihn für die graue Eminenz im Staat. Andere nannten ihn "Mr. Ten Percent", da er angeblich diese Kommission von den Geschäften forderte, bei denen er behilflich war.

Geschäfte gab es viele. Er beriet Landsleute bei Investitionen, versorgte die Polizei mit Lauschgeräten und Lügendetektoren. Mit Abstand das meiste Geld war aber in Panama mit zu dieser Zeit Waffen und Drogen zu verdienen. Noriega tanzte auf vielen Hochzeiten. Er stand bei mindestens 10 Geheimdiensten auf der Gehaltsliste und war außerdem spätestens seit 1982 für die Drogenbarone des Medellin-Kartells tätig, für die er Drogen transportierte, Geld wusch und sichere Plätze für Drogenlabore zur Verfügung stellte. Es ist mit aller Wahrscheinlichkeit nach anzunehmen, dass Harari hier nicht nur eine Schlüsselposition einnahm, sondern Noriega beim Einstieg ins Geschäft auch entscheidend beraten hatte.

Noriega nannte ihn gerne seinen "Mentor". Vor allen Dingen hatte Harari einschlägige Erfahrungen auf diesem Gebiet. Er hatte bereits zu Zeiten des Vietnamkrieges in Zusammenarbeit mit dem Kommandeur der südvietnamesischen Luftwaffe in ganz großem Stil Heroin exportiert, und nach dem Fall Saigons diese Geschäfte mit Khun Sa dem berüchtigsten Warlord des Goldenen Dreiecks fortgesetzt. Ein gewisser Victor Ostrovsky, der damals als Anfänger für den Mossad arbeitete, berichtete später wie geschockt er war, als er in Israel eine Ladung von ca. zwei Tonnen Heroin, die in einer israelischen Militärmaschine aus Fernost gekommen war, auf Hararis persönliche Anweisung hin nach Panama weiterleiten musste. Harari handelte aber nicht nur gleichzeitig mit Heroin und Kokain. Er verdiente gleich doppelt, da seine Partner einen guten Teil des Gewinns gleich bei ihm wieder in Waffen anlegten.

Richtig in Schwung kam das Geschäft mit den Contras, die sich ab 1979 langsam gegen die Sandinisten formierten. Den Contras fehlte es konstant an Geld und Waffen, und sogar Ronald Reagan verstrickte sich bei seinen Bemühungen sie damit ausreichend zu versorgen tief in die Iran-Contra-Affäre, die ihn fast das Amt gekostet hätte. Allerdings verfügten sie in ihren Basen in Costa Rica und Honduras über sichere Landebahnen und hervorragende Verbindungen zu ihren Unterstützern in den USA. Diese Landebahnen wurden nun zum Drogentransport genutzt. Manchmal brachten die Maschinen auch Waffen mit, aber oft blieben sie nur zum Auftanken, bevor sie ihren Flug Richtung Kalifornien fortsetzten. Unter den Piloten befanden sich auch Angehörige der PDF, die sich anscheinend so sicher fühlten, dass sie in Uniform flogen. Für die Prämien des Kartells konnten die Contras dann bei Harari Waffen bestellen. Dabei fügte es sich gut dass Israel, noch über große Mengen russischer Beutewaffen verfügte, deren Herkunft nicht mehr nachzuverfolgen war.

Training am Gallil Harari vermittelte aber auch weiterhin alte Kameraden, wenn sich für deren Dienste ein zahlungskräftiger Interessent fand. Allerdings bekam die immer so gepflegte Diskretion einen breiten Riss, als der Fernsehsender NBC im Sommer 1989 einen Video zeigte in dem israelische Söldner Angehörige von Todesschwadronen des Medellin-Kartells ausbildeten. Es handelte sich dabei um die Mitarbeiter der israelischen Sicherheitsfirma "Hod Hadanit" (Speerspitze), deren Gründer Yair Klein ein ehemaliger Oberstleutnant der israelischen Fallschirmjäger das Training leitete. Neben Filmszenen, in denen ehemalige Elitesoldaten kolumbianische Killern auf den neuesten Stand brachten, gab es auch aussagekräftige Interviews. So rühmte sich ein Oberstleutnant Shuali, dass er in Guatemala so gut wie jeden Offizier mit einem höheren Dienstgrad als Hauptmann ausgebildet zu haben. Anschließend erklärte er: "The Americans have the problem of public opinion, international image. We don’t have this problem. Our political views are very much parallel to the American political views, fighting terrorism, especially in that part of the world. We would be glad if the American authorities would turn to us and ask us to do the job."

Die Regierung in Israel distanzierte sich natürlich sofort von den Ereignissen und betonte, dass Klein und seine Leute ohne ihr Wissen in Kolumbien arbeiteten. Damit schien die Angelegenheit erledigt. Doch als der Drogenboss Gonzalo Gacha, für den Klein anscheinend gearbeitet hatte, kurz darauf von Sicherheitskräften auf seinem Anwesen erschossen wurde, fanden diese dort eine größere Menge Gallil-Sturmgewehre und ein israelisches Trainingsvideo. Bevor die kolumbianischen Behörden Klein aber festnehmen konnten, setze er sich nach Israel ab, wo er dann etwas später der Form halber wegen illegalem Waffenexport zu einer Geldstrafe von 13.400$ verurteilt wurde.

Dennoch nahmen die Schwierigkeiten zu. Das lag daran, dass der Kalte Krieg zu Ende ging. Die Sandinisten waren zu Gesprächen bereit, wodurch Noriega seine wichtigste Funktion für die USA verlor. Man legte ihm nahe stillschweigend mit einer guten Pension in Ruhestand zu gehen. Als er darauf nur mit weiteren Provokationen antwortete, befahl George Bush sen. die Invasion. Noriega wurde schließlich gefasst und in den USA zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Sein Mentor Harari aber konnte sich nach einigen Aussagen rechtzeitig absetzen. Nach anderen wurde zwar auch er verhaftet, dann aber mit einer israelischen Militärmaschine ausgeflogen, was damit erklärt wird, dass der Präsident und ehemalige CIA-Direktor Bush seine schützende Hand über ihn hielt.

Mit dem Kalten Krieg ging auch Israels "Rolle als Söldnerstaat der USA" (Noam Chomsky 1991) zu Ende. Doch damit begann ja gerade die Rückkehr der Söldner in der form der modernen PMCs. Israelische Militärfirmen waren wie gesagt bereits seit langem aktiv und deshalb für diese Wandlung "bestens aufgestellt", wie man in der Finanzwelt gerne sagt. In den Kriegen in Angola, Sierra Leone und im Kongo, die mit Diamanten, Öl und anderen Rohstoffen finanziert wurden, stößt man ständig auf multinationale Konzerne, in denen Israelis und amerikanische und russische Juden an entscheidenden Positionen sitzen. Bevor man sich jedoch auf finstere Verschwörungstheorien einlässt, sollte man daran denken, dass es sich um ähnliche Netzwerke handelt, wie sie die Bush-Familie im Ölgeschäft und der Militärindustrie betreibt.

Diese Konzerne liefern Waffen, betreiben Minen, unterstützen Regierungen oder Rebellen, je nach Gewinnerwartung. Manchmal beauftragen sie dazu private Sicherheitsfirmen, oder unterhalten eigene. Das Geflecht aus Tochterfirmen, Fusionen und Neugründungen ist dabei noch unübersichtlicher als die politischen Konstellationen. Es fällt jedoch auf, dass sich die Regierung in Jerusalem, die früher noch relativ freizügig Militärberater geschickt hatte, das Geschäft nun weitgehend Privatfirmen überlässt und bestenfalls regelnd eingreift. So verhinderte 1994 der Protest einiger Parlamentarier die Abreise einiger Söldner nach Brazzaville, und 1998 wurden die Verhandlungen zwischen der Firma "Silver Shadow" und Laurent Kabila auf Anweisung der Regierung eingestellt.

Yair Klein Relativ bekannt ist die Firma "Lordan-Levdan", eine Tochtergesellschaft eines Konzern, der auch im Diamantengeschäft tätig ist. Levdan bildete ab 1994 in Kongo-Brazzaville eine Spezialeinheit aus und war anschließend auch in Angola tätig. Auch Yair Klein war wieder aktiv und kümmerte sich wie üblich um die schmutzigsten Teile der Arbeit. Er bildete in Liberia Truppen aus, handelte mit Blutdiamanten und verschob dafür sogar Waffen an die Schlächter der RUF. Im Januar 1999 wurde er deshalb in Sierra Leone verhaftet. Inzwischen verlangte aber Kolumbien seine Auslieferung, da man seine Schüler mit der Ermordung eines Präsidentschaftskandidaten und dem Attentat auf eine Verkehrsmaschine in Verbindung brachte. Wahrscheinlich wünschten aber weder Israel noch die USA, dass er vor einem Gericht aussagte, und so wurde er nach 16 Monaten Haft diskret abgeschoben.

Die meisten Söldner aus Israel haben mit solchen Geschäften sicher nichts zu tun. Normalerweise arbeiten sie als Sicherheitsberater bei Fluggesellschaften oder als Leibwächter für Reiche und Prominente – auch Mel Gibson hat einen Bodyguard aus Israel -; lediglich ein kleiner Teil ist in Krisenregionen als Ausbilder tätig, und nur einige wenige sind wirklich im Einsatz. Dennoch ist der Söldnerdienst für Israel inzwischen schon fast so ein typisches Merkmal wie einst für die Schweiz. Die New York Times nannte es in Abwandlung des alten Slogans das "Have Training Manual, Will Travel Business". Und an diesem Business wird sich vermutlich so lange nichts ändern, wie Israel gezwungen ist einen außergewöhnlich hohen Prozentsatz seiner Bevölkerung unter Waffen zu halten.

© Frank Westenfelder  
amz Gute Bücher zum Thema Geschichte, die wir rundum empfehlen können.
Buch Die Tragödie eines Volkes

Orlando Figes

Die Geschichte der russischen Revolution 1891 bis 1924

Buch Arm und Reich

Jared Diamond

Warum sind manche Gesellschaften erfolgreich?

Buch Der Preis

Daniel Yergin

Das Standardwerk über die Geschichte des Erdöls