Kanonenfutter für die Krim

Großbritanniens Fremdenlegionen.

Durch die napoleonischen Kriege waren in Europa Söldner wie etwas Unzeitgemäßes aus der Mode gekommen. An ihrer Stelle wurde der einst verachtete Soldatenstand zu etwas Ruhmvollem und Edlem aufgewertet. Überall pflegte man plötzlich den Kult vom unbekannten Soldaten und verlieh sogar an Gemeine Orden und Ehrenzeichen, die früher einzig und allein dem Adel vorbehalten waren. Inmitten der patriotischen Begeisterung war für Söldner kein Platz mehr. Sicher wäre diese Veränderung wesentlich weniger radikal ausgefallen, wenn sie nicht durch die lange Zeit relativen Friedens gefördert worden wäre. Im Frieden hatte man auch schon in älteren Zeiten zuerst auf die Fremden verzichtet. Die Beschäftigung von Söldnern galt nun in den meisten Ländern als unmoralisch und wurde von Gesetzen eingeschränkt oder ganz untersagt. So hatte der französische König schon 1830 seine Schweizer Garde entlassen müssen; in England war der Ausländeranteil in den Streitkräften auf 2% begrenzt worden. Aber auch die traditionellen Anbieter reagierten: 1848 wurde in der Schweiz der Soldatenhandel abgeschafft und 1853 in den Staaten des Deutschen Bundes. Zwei der letzten Relikte waren die Schweizerregimenter des Papstes und von Neapel.

Krimkrieg Doch bei jeder auch noch so geradlinigen Entwicklung kann es zu Rückschlägen kommen, und vor allem in Krisenzeiten wird immer wieder gern auf Altbewährtes zurückgegriffen. Als nun England und Frankreich zur Unterstützung der Türkei 1854 Russland den Krieg erklärten, begann sich vor allem England sofort nach Unterstützung im Kampf gegen die russischen Massenheere umzusehen. Zuerst versuchte die englische Diplomatie in gewohnter Manier Preußen, Österreich und sogar Schweden mit Hilfe von Subsidien zum Kriegseintritt zu bewegen. Allerdings war man dort nicht naiv genug, um sich für die versprochenen Gelder in den Krieg mit so einem mächtigen Gegner zustürzen.

Gleichzeitig kamen die ersten Hiobsbotschaften von der Krim. Dort starben die Soldaten in den Lagern wie die Fliegen, und die Russen kämpften hart und entschlossen. Im Gegensatz zu den Landmächten stützte sich England auf eine miserabel bezahlte Freiwilligenarmee, die zudem ein riesiges Kolonialreich zu schützen hatte. Zudem bot die prosperierende Industrie ausreichend Arbeit. Dass die Zeitungen ausführlich über das Elend der Kranken und Verwundeten auf der Krim berichteten, förderte die Werbungen nicht gerade. England hatte viele seine Kriege mit Hilfe fremder Söldner geführt, und so fragten sich einige pragmatische Geister, warum dies nun nicht mehr möglich sein sollte. Man begann sich umzuhören. In Frage kamen vor allem Kleinstaaten, die keine diplomatischen Verwicklungen mit Russland zu fürchten brauchten. So stieß man fast automatisch auf die Schweiz, Italien und die deutschen Fürstentümer.

Es war eine gute Idee, ein prächtiges Beispiel des englischen Common sense. Trotzdem ging ein Aufschrei der Entrüstung durch die Bevölkerung. In den Parlamentsdebatten bezweifelte die Opposition, dass die "Mietlinge, Metzger und Mörder" aus den tiefsten deutschen Slums mit dem notwendigen Enthusiasmus für die edle Sache entflammt werden könnten. Auch die Presse reagierte empört. Man sah die nationale Wehrfähigkeit in Gefahr und schlug vor, größere Anstrengungen bei Werbungen in Irland und unter der englischen Mittelschicht zu unternehmen. Allerdings ist es ja meistens so, dass diejenigen, die am lautesten die edle Sache des Vaterlandes beschwören, selbst nicht in den Krieg ziehen, sondern nur denen, die gehen müssen, möglichst wenig bezahlen wollen. Da England zu dieser Zeit in der Entwicklung des modernen Kapitalismus führend war, stellte man schnell fest, dass für umfangreichere nationale Werbungen eine Erhöhung des Soldes nötig gewesen wäre. Damit hätten die Parlamentarier sicher leben können – dass Kriege Geld kosten, wusste in England jeder. Viel fataler dagegen war, dass eine Anhebung des Soldes eine Steigerung der Arbeitslöhne nach sich gezogen hätte, und das wollte zumindest in der Politik niemand. Letzten Endes war das das ausschlaggebende Argument, und man beschloss den momentanen Engpass an Freiwilligen durch die Aufstellung von Fremdenlegionen zu überbrücken.

Rodowicz-Oswiecimsky "Man rechnete mit Sicherheit auf die Polen, welche hier Gelegenheit fanden, ihrem Todfeinde, dem Russen, in legitimer Weise zu Leibe zu gehen. Man rechnete auf die Schweizer, die ja von Alters her immer Männer bei der Spritze waren, wenn es irgendwo brannte ... Man rechnete auf Italiener und Amerikaner, vor Allem aber auf die deutschen Landsknechte," berichtet der spätere Legionär Rodowicz-Oswiecimsky. Vieles waren sicher reine Wunschvorstellungen, und man musste sich schon überlegen, wo man ausreichend Freiwillige für eine Fremdenlegion herbekommen könnte. Ein weiteres Problem, waren die Rekrutierungsstellen, da die Söldnerwerbung ja inzwischen in weiten Teilen Europas verboten war. So beschränkte man sich auf drei Fremdenlegionen: Hauptsächlich eine deutsche, da man mit der "Kings German Legion" in den napoleonischen Kriegen gute Erfahrungen gemacht hatte, dann eine schweizerische und eine italienische.

Die Werbung der Schweizer vom elsässischen Schlettstadt aus wurde durch die vielen Achtundvierziger Emigranten gefördert, die in der Schweiz zum Großteil ein kümmerliches Dasein führten. Aber Napoleon III. hatte in Gedenken an die alte Kaiserherrlichkeit damit begonnen, eine neue Schweizer Garde zu bilden, so dass sich die Werbeoffiziere die "Schweizer" gegenseitig abjagen mussten. Noch schleppender kam die Aufstellung der Italienischen Legion voran. Der König von Sardinien hatte zwar die Schirmherrschaft übernommen, da er hoffte dadurch auf englische Kosten seine eigene Armee zu verstärken. Doch die Italiener zeigten nur wenig Lust, für seine höheren Ziele auf der Krim zu sterben.

In Deutschland war die Werbung offiziell verboten und sollte deshalb vom britischen Helgoland aus organisiert werden. Damit richtete sich die Aufmerksamkeit auf die Hansestädte, in denen es von politischen Emigranten wimmelte und sich immer noch größere Reste der aufgelösten schleswig-holsteinischen Armee aufhielten. Mit diesem Reservoir war bereits 1851 eine Fremdenlegion für den Dienst in Brasilien gebildet worden – die so genannten "Brummer". Von diesen waren inzwischen jedoch gerade die unruhigsten Elemente wieder frustriert zurückgekehrt und warteten auf eine neue Gelegenheit. Die meisten dieser Ex-Soldaten konnten nicht mehr zurück und wurden von den Behörden nur widerwillig geduldet. Manche wanderten aus oder bettelten. Ehemalige Offiziere waren froh, wenn sie sich als Hauslehrer oder Journalist durchschlagen konnten. Einige standen kurz davor zu verhungern. Die ersten Gerüchte über die Gründung einer Deutschen Legion wurden deshalb in diesen Kreisen geradezu enthusiastisch aufgenommen.

Schleswig-Holsteinischer Treffen Schleswig-Holsteinischer Emigranten in einem Hamburger Lokal

Natürlich handelte es sich bei den Freiwilligen nicht nur um Norddeutsche. Die schleswig-holsteinischen Armee war ein letztes Refugium für viele geflohene Achtundvierziger gewesen. Es gab auch Ungarn und Polen, die nach der Niederschlagung ihrer nationalen Aufstände neue Aufgaben und nicht zuletzt ein Auskommen suchten. Dazu kamen einige Belgier und Skandinavier, die aus den verschiedensten Gründen in den Hansestädten gestrandet waren, sogar preußische Offiziere, die aus Patriotismus in Schleswig-Holstein gekämpft hatten und nun als "Revolutionäre" brotlos waren. Ein Beispiel ist der polnischstämmige preußische Offizier Theodor Rodowicz-Oswiecimsky, der nach seinem Dienst in der schleswig-holsteinischen Armee wie viele als Söldner nach Brasilien gegangen war, dort aber als Kolonist gescheitert war. Sein späterer Bursche John Goldmann war der Sohn aus Gnesen stammender Juden, die nach England ausgewandert waren. John musste dann aber "der Polizei und eines Mädchens wegen" zu einem Onkel nach Berlin flüchten und ließ sich anwerben, um wieder nach England zu kommen.

Für die Werbung benötigte man jemanden, der die hemmenden Gesetze zu umgehen wusste, der Beziehungen und das notwendige Organisationstalent besaß. Die ideale Besetzung war Carl Richard von Stutterheim. Er verkörperte jene Mischung aus fähigem Offizier, Hasardeur und Heereslieferanten, die schon die erfolgreichen Landsknechtsobristen ausgezeichnet hatte. Er hatte in der preußischen Armee eine Erfolg versprechende Karriere begonnen, bis er in einem Duell seinen Gegner tödlich verletzte. Danach setzte er sich nach England ab und nahm in der Englischen Legion am Carlistenkrieg teil. Wieder in Deutschland diente er in Braunschweig, um dann ein schleswig-holsteinisches Freikorps zu führen. Nach dessen Auflösung rekrutierte er Söldner für den Mexikanischen Präsidenten Santa Anna. Als dieser gestürzt wurde, hörte Stutterheim glücklicherweise von der geplanten Aufstellung einer Deutschen Legion in England. Sofort entwarf er einen Rekrutierungsplan und eilte nach London. Hier hielt er als echter Glücksritter groß Hof und machte durch rauschende Feste auf sich aufmerksam. Seine Rechnungen erhielt der zuständige Minister, der bei ihrem Anblick gesagt haben soll: "Entweder ist dies ein frecher Pirat oder der Mann, den wir brauchen".

Stutterheim erhielt die Stelle eines Oberstleutnants und begann mit seinen Aktivitäten. Er war geschäftstüchtig und genoss unter seinen ehemaligen Kameraden einen guten Ruf. Deshalb war es nicht erstaunlich, dass ihm die Freiwilligen fast die Tür einrannten, als er im April 1855 nach Hamburg kam. Bald konnte er der englischen Regierung weit mehr als die ursprünglich vereinbarten 5.000 Mann anbieten. Seinen eigenen Gewinn verlor er aber dabei nicht aus den Augen. Er erhielt nicht nur für jeden Mann eine Provision, sondern erwarb auch zu Schleuderpreisen Ausrüstungen der aufgelösten schleswig-holsteinischen Armee und verkaufte sie mit gutem Profit an die Engländer. Seine Werbungen wurden zwar von der Polizei behindert, die einzelne Rekruten ins Gefängnis warf. Aber Stutterheim hatte bald die alten Schleichwege der Schmuggler aus der napoleonischen Zeit wieder entdeckt. Man traf sich unauffällig in Kneipen und schaffte die Freiwilligen mit kleinen Fischkuttern nach Helgoland.

Rekrutierung für den Krimkrieg Im Mai landeten die ersten Kontingente in Dover, und die Aufstellung der verschiedenen Bataillone machte gute Fortschritte. Stutterheim hatte gutes Material geliefert. Viele der Rekruten hatten bereits gedient und zum Teil sogar Kampferfahrung. Auch ihr Bildungsstand war verglichen mit dem der englischen Soldaten außergewöhnlich hoch. Ende 1855 zählte die "British-German Legion", wie sie offiziell genannt wurde, fast 9.000 Mann und man begann mit dem Transport in die Türkei. Doch kaum waren die ersten Truppenteile am Bosporus eingetroffen, kam die Nachricht, dass Russland Frieden geschlossen hatte. Der Krimkrieg war vorbei und die Truppen wurden wieder in ihre Garnisonen in Südengland zurückgebracht.

England saß also plötzlich auf seinen drei teuren Legionen und musste zusehen, sie loszuwerden. Sardinien wollte noch keinen Krieg gegen Österreich wagen und befürchtete deshalb bei einer Demobilisierung der etwa 3.400 Mann starken Legion nationalistische Unruhen und war nur noch bereit seine eigenen Bürger zurückzunehmen. Der größte Teil der italienischen Legion musste deshalb auf Malta "zwischengelagert" werden, wo sie für einige Unruhe unter der Bevölkerung sorgten. Schließlich konnte man ein großes Kontingent an Argentinien abtreten; der Rest wurde in kleinen Gruppen in Genua entlassen. Großzügig verhielten sich die Schweizer, die alle Legionäre (ca. 3.100 Mann) zurücknahmen, sich dann allerdings beschwerten, dass viele gar keine Schweizer wären.

Am schwierigsten aber gestaltete sich die Auflösung der mit Abstand stärksten, der Deutschen Legion. In den deutschen Staaten hatte man die Werbungen verboten und dachte nun nicht daran, die Engländer von ihrem Problem zu erlösen; zumal die Söldner als politische Unruhestifter galten. Während noch verhandelt wurde, kam es in den Garnisonen zu Ausschreitungen, Diebstählen und Schlägereien mit englischen Truppen. Bei einem schweren Zusammenstoß im Juni waren die Deutschen zahlenmäßig unterlegen und griffen deshalb als erste zu den Gewehren; sechs tote Engländer waren die Bilanz. Es folgte ein Riesenskandal, zudem berichteten die Zeitungen fortlaufend über Diebstähle und Raub in der Umgebung der Kasernen. Die Regierung bot Entlassungsgelder und freien Transport nach Amerika oder Deutschland, aber nur wenige wollten zu ihrem alten Hungerleben zurückkehren. Besser war es da schon mit der Überfahrt in die USA; andere gingen als Siedler nach Kanada. Manche ließen sich auch von den Agenten Frankreichs oder Hollands anwerben, die ständig in den Lagern nach Rekruten für ihre Kolonialtruppen suchten. Trotzdem blieben einige tausend zurück. Sie pochten auf ihre Verträge und wurden dabei eifrig von ihren Offizieren, die nichts so sehr fürchteten wie das Zivilleben, unterstützt.

Legionä mit neuer Gattin Schließlich kam man auf die Idee, die überflüssigen Söldner als militärische Kolonisten an der Kafferngrenze in Südafrika anzusiedeln, wo es in letzter Zeit immer wieder zu Unruhen gekommen war. Stutterheim war bereit das Projekt zu leiten und verhandelte deshalb hart über die Konditionen. Jeder sollte seinem Dienstgrad entsprechend Ackerland, einen Zuschuss für den Hausbau und Halbsold erhalten. Die Mehrheit konnte sich mit diesen Plänen nicht anfreunden. Da aber auch viele den Vorschlag annehmen wollten, darunter die meisten Offiziere, mussten die anderen ihren Abschied nehmen. Ungefähr 1.200 kehrten über Hamburg und Ostende auf den Kontinent zurück, ein Schiff fuhr nach Buenos Aires und eine unbekannte Anzahl blieb in England. Sie bettelten oder fanden Arbeit, landeten im Gefängnis oder bei der Marine. Zur Fahrt ans Kap waren noch gut 2.300 Legionäre geblieben, davon bezeichnenderweise fast ein Viertel Offiziere. Da in Südafrika Frauenmangel herrschte, förderte man Ehen mit Engländerinnen und ließ auch Frauen aus Deutschland nachkommen. Kurz vor der Abfahrt kam es noch zu regelrechten Massentrauungen und so reisten mit den Legionären auch 378 Frauen und 178 Kinder ans Kap.

Die neuen Kolonisten machten sich mit Eifer ans Werk. Felder wurden angelegt, Häuser gebaut, Mühlen und Geschäfte errichtet; sogar ein Theater und eine kurzlebige Zeitung wurden ins Leben gerufen. Einige der damals entstandenen Siedlungen wie Braunschweig, Berlin, Potsdam und Stutterheim findet man noch heute in der Nähe der Hafenstadt East London auf der Landkarte. Doch der Enthusiasmus schwand bald. Nur wenige Legionäre verstanden wirklich etwas von Landwirtschaft. Die Böden waren nicht besonders fruchtbar, und die nächsten größeren Siedlungen lagen einige Tagesreisen entfernt. Vom Buschkrieg verstanden sie noch weniger, so dass sich die Regierung lieber auf die Milizen der Buren verließ. Vor allem fehlte es aber an Frauen, um die Söldner wirklich sesshaft zu machen. So verließen bald einige heimlich ihre mageren Felder, tauchten in der Kapkolonie unter oder versuchten ihr Glück auf den Goldfeldern von Transvaal und im Oranje-Freistaat. Auch Stutterheim, der sich vielleicht schon als Gouverneur einer florierenden Provinz gesehen hatte, hatte das öde Leben schnell satt und kehrte 1857 nach Deutschland zurück.

Siedlung der Legion in Südafrika Die Zurückgebliebenen, unter ihnen ganz besonders die Unverheirateten, bekämpften Frust und Langeweile mit Alkohol. Für sie klang es geradezu wie eine Erlösung, als sich die Nachrichten vom großen Sepoy-Aufstand in Indien verbreiteten. Im ganzen Empire wurden Truppen zusammengerafft, um das kostbarste Juwel der britischen Krone zu retten. Normalerweise war der Kolonialdienst in Asien und Westindien wegen der hohen Sterblichkeitsrate gefürchtet, und es spricht für sich, dass sich der Großteil der verbliebenen Legionäre sofort zum Einsatz in Indien meldete. Sie hatten das Kolonistenleben gründlich satt. Aber wieder einmal kamen sie zu spät. Als sie endlich in Indien angekommen waren, war der Aufstand bereits niedergeschlagen. Frustriert ließ sich ein Teil wieder ans Kap zurückschicken, aber nur wenige kehrten in ihre ungeliebten Siedlungen zurück. Über 500 dagegen traten in die Europäerregimenter der Ostindischen Kompanie ein. Die meisten dienten im 3. Bombay Regiment, das später zum 109. Linienregiment wurde, wechselten durch zahlreiche indische Garnisonen, nahmen an Strafexpeditionen teil und kämpften 1864 in Aden gegen aufständische Araber. Einige starben an Krankheiten oder am Suff, andere nahmen ihren Abschied. Aber 1878, nach über zwanzig Dienstjahren, war der deutsche Anteil im Regiment immer noch stark und dieses unter den Namen "German Mob" oder "Brass Heads" bekannt. Sein Kommandeur Oberstleutnant August Schmid war ein Veteran des dänischen Krieges von 1848.

Was wurde aber aus Stutterheim, diesem Söldnerhändler aus längst vergangenen Tagen? Nach seiner Rückkehr nach Deutschland kaufte er sich von seinen ernormen Gewinnen ein großes Gut in Schlesien. Dort frönte er ein einem ausgelassenen Leben mit Jagden, Bällen und ausgelassenen Festen. Dabei schlug er sich tapfer mit seinem gefährlichsten Gegner - seiner Spielleidenschaft – und verlor. Nach nur vier Jahren waren Geld und Gut verschleudert und Stutterheim musste sich mit bescheidenen Mitteln in Braunschweig zur Ruhe setzen. Allerdings hatte er in gesellschaftlichen Kreisen so viel Eindruck gemacht, dass ihm das preußische Militär die Führung einer Division anbot. Der alte Hasardeur pokerte wieder einmal hoch; er verlangte ein Armeekorps und scheiterte. Dadurch hatte er auch die Chance verspielt, sich im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 hervorzutun. Er spielte weiter, so weit es sein restliches Geld und Kredit erlaubten. Als er dann 1871 fuhr im Spielcasino von Wiesbaden sein letztes Geld verlor, fuhr er an den Rhein und erschoss sich. Alte Freunde sorgten für ein standesgemäßes Begräbnis.

© Frank Westenfelder  
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