Der Karlistenkrieg
Verkauf und Untergang der Fremdenlegion.
Nach den napoleonischen Kriegen verzichteten die europäischen Großmächte
weitgehend auf die Verwendung von Söldnern. Einen gewissen Ersatz
boten der Kolonialdienst und die kleinen Stellvertreterkriege und Revolutionen,
bei denen keine Großmacht direkt intervenieren wollte. Zu einem richtigen
Magneten entwickelte sich hier der Karlistenkrieg in Spanien (1834-39).
Sein äußerer Anlaß waren Thronstreitigkeiten zwischen
Carlos, dem Bruder des verstorbenen Königs, und dessen Witwe Christina,
die für ihre unmündige Tochter Isabella die Regentschaft führte.
Seine eigentliche Bedeutung erhielt der Konflikt aber dadurch, daß
durch ihn die Spannungen zwischen Liberalen und Konservativen zum Ausbruch
kamen. Um die Regentin scharte sich das liberale Bürgertum der Städte,
außerdem blieb die Armee auf ihrer Seite. Carlos dagegen wurde vom
konservativen Adel, dem Klerus und der sezessionistischen Landbevölkerung
im Baskenland und Navarra unterstützt. Beide Seiten wurden durch korrupte
Günstlingswirtschaft, eifernde Fanatiker und vor allem die Christinos
auch noch durch unfähige Militärs geschwächt und suchten
Unterstützung im Ausland.
Die Karlisten wurden hauptsächlich von den konservativen Mächten
der Heiligen Allianz, Sardinien, Holland und Neapel mit Geld, Waffen und
Freiwilligen unterstützt. Unter diesen Freiwilligen befanden sich
konservative Adlige, die zu einer Art Kreuzzug gegen den Liberalismus aufgebrochen
waren, aber auch junge Offiziere, die der langweilige Garnisonsdienst und
die geringen Beförderungschancen auf Abenteuersuche getrieben hatten.
Dabei handelte es sich aber nur um Einzelne. Ganz anders verhielt es sich
auf Seiten der Christinos. Sie erhielten von ihren Schutzmächten England,
Frankreich und Portugal nicht nur Waffen und Geld sondern auch massive
Truppenunterstützung. Um aber nicht durch das eigene Militär
einen größeren Konflikt mit der Heiligen Allianz zu riskieren,
beschränkte man sich auf die Entsendung geworbener Söldner. Einen
besonders schlechten Ruf durch Plünderungen und Desertionen erwarb
sich die sogenannte Englische Legion, die zu guten Teilen aus vor der Hungersnot
geflohener Iren bestand. Frankreich entledigte sich der Fremdenlegion,
die nach ihrer Aufstellung 1832 in Algerien vor allem durch wüste
Saufgelage und Massenschlägereien von sich reden gemacht hatte. Die
Fremdenlegion wurde nicht einfach ausgeliehen, sondern dauerhaft an Spanien
abgetreten. In Frankreich wollte man sie los haben. Die französischen
Offiziere konnten ihren Abschied nehmen oder sich auf Halbsold setzen lassen.
Die Mannschaften wurden dagegen nicht gefragt; sie wurden in guter alter
Tradition verschachert.
Über den Einsatz der Fremdenlegion in Spanien ist viel geschrieben
worden. Einige Autoren haben in ihren Büchern keine Mühe gescheut,
ihn zu einem wahren Heldenlied zu verklären. Die sehr sachliche Darstellung
des Historikers Douglas Porch und die Erinnerungen von Beteiligten zeichnen
dagegen ein anderes Bild
Gleich nach der Landung der Fremdenlegion in Tarragona im August 1835
löste ihr Kommandeur Oberst Bernelle die Gliederung in nationale Bataillone
auf. Sie war allzuhäufig der Anlaß für schwere Schlägereien
gewesen und ließ sich außerdem wegen des unausgewogenen Nachschubs
an Rekruten nicht mehr aufrecht erhalten. Danach kam die Legion gegen die
Karlisten in Navarra und Aragon zum Einsatz. Der Krieg wurde von beiden
Seiten mit äußerster Grausamkeit geführt. Gefangene wurden
selten gemacht, und nachdem die Karlisten befohlen hatten, jeden Ausländer
ohne Gnade zu erschießen, machten auch die Legionäre keine Gefangenen
mehr. Da die Landbevölkerung zum Großteil karlistisch war, wurde
auch im Hinterland ein brutaler Kleinkrieg geführt. Legionäre
wurden ermordet und verstümmelt und dafür dann wieder Bauern
gefoltert, Dörfer und Felder verbrannt.
Vor allem frönten die Legionäre jedoch der großen Leidenschaft
aller Söldner: dem Plündern. Beim Einmarsch in verlassene Städte
war es zwar verboten, aber der Legionär G. meinte treffend dazu:
"was denn unter solchen Umständen ungefähr soviel heißt,
als: macht es nur nicht zu arg!". Es wurde nicht nur unmäßig gesoffen und
gefressen, sondern alles, was man nicht mitnehmen konnte, zerstört und zerschlagen.
In einer Kleinstadt kochte eine Gruppe ein Schwein auf einem Feuer, das
aus den wertvollen Büchern einer Bibliothek unterhalten wurde. Andere
brieten auf dem Marktplatz einen Ochsen auf einem riesigen Feuer aus edlen
Möbeln. In manchen Straßen lief der Wein in den Rinnsteinen
und ein Legionär war sogar in einem vom Wein überschwemmten Keller
ertrunken. Mit Wertgegenständen, wenn sie nicht gerade aus Gold oder
Silber waren, wußten die Legionäre wenig anzufangen. So wurde
das seidene Gewand einer Marienstatue von der "Marketenderin der Kompanie,
einer hübschen Provencalin, der der liebe Gott vor einigen Wochen
einen kleinen Kriegsknecht geschenkt hatte" zu Windeln verarbeitet. Kein
Offizier ließ sich sehen. Diese hatten sich in die besseren Häuser
zurückgezogen und machten dort ungestört dasselbe.
Wenn den Legionären etwas die Zügel gelockert wurden, verwandelten
sie sich praktisch im Handumdrehen in eine entfesselte Soldateska. Auch
bei ihnen war der Alkohol der Punkt, um den sich alles drehte. Das größte
Lob für einen neuen Standort war immer, daß der Wein gut und
billig war. Als Saufkumpane waren vor allem die spanischen Maultiertreiber
beliebt, da sie fast noch mehr vertrugen als die Legionäre. Alles
wurde in Wein umgesetzt und möglichst sofort vertrunken. Ein deutscher
Offizier beobachtete daß eine Stunde nach der wöchentlichen
Soldauszahlung fast alle Legionäre sinnlos betrunken im Straßengraben
lagen. Danach waren sie eine Woche lang völlig abgebrannt, bis es
wieder zum nächsten Gelage kam. Er kam zu dem abschließenden
Urteil: "Der Kriegsknecht kann kein Geld in der Tasche dulden, es drückt
und brennt ihn bis es vergeudet ist."
Vieles, was die Heeresreformer längst überwunden hatten, kam
in diesem grausamen und chaotischen Krieg noch einmal nach oben. In einem
aber unterschied sich die Fremdenlegion von ähnlichen Verbänden:
sie war eine ausgesprochene Eliteeinheit. Bei den Offensiven des chritinischen
Heeres bildete sie die Speerspitze und beim Rückzug die Nachhut. Mehrmals
retteten ihre stürmischen Bajonettangriffe oder ihr stures Aushalten
in fast verlorenen Situationen den Tag. Doch das war nicht der wilde Patriotismus
der Basken oder der Idealismus der europäischen Freiwilligen. Aus
dem wilden Haufen waren in Algerien erfahrene Veteranen geworden. Sie waren
an Strapazen und an den Zusammenhalt im Gefecht gewohnt. Wichtig war auch
das Vertrauen in die Sergeanten, Offiziere und Kommandeure. Auch die Landsknechte
hatten die Doppelsöldner benötigt und hatten zu berühmten
Obristen manchmal ein geradezu kindliches Zutrauen entwickelt. Nur Erfahrung
und bewährte Kommandostruktur machten schließlich den Unterschied
zwischen der Fremdenlegion und den in London und Paris zusammengelaufenen
Verbänden aus.
Aber auch hier lag einiges im argen. Viele Offiziere, die ihre Posten
durch Angeberei und Protektion erhalten hatten, zeichneten sich durch Nachlässigkeit,
Arroganz und Korruption aus. G. klagt mehrmals über diese "erbärmlichen
Wichte". Eine Ausnahme ganz nach dem Geschmack der Legionäre war der
Hauptmann Johann Albrecht Hebich. Er hatte als württemberger Kavallerieoffizier
unter Napoleon gekämpft, anschließend hatte ihn die Unruhe nach
Griechenland getrieben, bis er schließlich bei der Fremdenlegion
gelandet war. Er war gewalttätig, versoffen, stur, disziplinlos und
faul, aber furchtbar im Kampf. Er trug Narben aus zahlreichen Schlachten
und Duellen, sprach kaum Französisch und besaß "die unbegrenzte
Anhänglichkeit der Soldaten". Einmal wurde er mit seiner Kompanie
auf dem Rückzug abgeschnitten und von einer erdrückenden Übermacht
bedrängt. Trotz schwerster Verluste schlugen die Legionäre unter
seiner Führung einen Angriff nach dem anderen zurück. Immer mehr
Legionäre fielen und als G. den Tod eines Unterleutnants meldete,
rief Hebich: "Dummer Schnack, hier stirbt Niemand, er ist nur vorauf, um's
Quartier zu bestellen". Diese Sprache verstanden die Legionäre und
sie hielten durch bis Entsatz kam.
Besonders deutlich wurde das Verhältnis der Legionäre zu ihren
Offizieren in ihren Haltung gegenüber den beiden Kommandeuren Bernelle
und Conrad. Bernelle, der zuerst das Kommando führte, war sicher ein
tapferer Offizier aber bei den Mannschaften regelrecht verhaßt. Durch
sinnlose Inspektionen und Schikanen erschwerte er ihren ohnehin schon harten
Dienst, verschaffte seinen aus Frankreich angereisten Verwandten Offiziersstellen
und bereicherte sich wie viele andere Obristen an der Versorgung. Verstärkt
wurde seine Prunksucht und Günstlingswirtschaft noch durch seine Gattin,
die an jedem Standort groß Hof hielt, während die Legionäre
hungerten oder ihre zerrissenen Monturen für Paraden auf Hochglanz
bringen mußten. Für ganz besondere Erbitterung sorgte die Prämie,
die die Regentin am Anfang für jeden Legionär bezahlt hatte.
Bernelle hatte dieses Geld mit dem nicht ganz unberechtigten Argument zurückbehalten,
daß er eine tagelange Orgie in Tarragona hatte vermeiden wollen.
Immer wieder, vor allem wenn der Sold wieder einmal ausgegeben war, redeten
die Legionäre über diese 25 Franc und all die Räusche, die
man sich damit antrinken könnte. Im Laufe des Feldzuges kam nun Bernelle
auf die Idee ein Korps Lanzenreiter zu bilden. Da die spanische Regierung
aber nicht für die Finanzierung aufkam, verwendete er kurzerhand die
einbehaltenen Prämien und erklärte, daß die Legionäre
freiwillig darauf verzichtet hätten. Um den von Frau Bernelle so geliebten
Paraden den nötigen Glanz zu verleihen, wurden sogar prächtige
Ulanenuniformen beschafft; alles mit dem Geld der Legionäre. G.
behauptet, daß die Kavallerie nur ein "Spielzeug für den eitlen
Bernelle und seine Dame war." Daß dieser und einige Offiziere bei
der Beschaffung der Pferde und der Ausrüstung außerdem noch
gut verdienten, versteht sich von selbst. Von einem ganz anderen Schlag
war dagegen Oberst Conrad, der zuerst ein Bataillon führte und dann,
nachdem Bernelle wegen Unterschlagung abberufen worden war, zu dessen Nachfolger
aufrückte. Als alter Haudegen der napoleonischen Kriege war er sich
nicht zu schade mit den Gemeinen zu trinken. Auf dem Marsch ermunterte
er die Deutschen in seinem elsässer Dialekt und in der Schlacht war
er stets vorne bei seinen Legionären. Diese nannten ihn "Vater" und
wären für ihn durchs Feuer gegangen.
Doch das genügte nicht. Die Fremdenlegion wurde bei den großen
Offensiven und beim Kleinkrieg im Gebirge verschlissen. Bei Regen und Schnee
lagen die Legionäre in den Pyrenäen, gerieten in Hinterhalte
und schlugen sich um einzelne Berggipfel. Ein Legionär berichtet von
einem Marsch, bei schrecklicher Kälte. Zuerst wurde der Dauerregen
zu Schnee und nachts froren die Kleider am Körper. Schließlich
übernachteten die völlig Erschöpften dicht zusammengedrängt
im Matsch. Manch einer stand am Morgen nicht mehr auf; die anderen waren
krank. Die Bataillone schmolzen zusammen, und trotz einiger Verstärkungen
aus Frankreich mußte Conrad die ursprünglichen sechs Bataillone
auf drei reduzieren. Doch mit der Kampfstärke der Fremdenlegion schwand
auch das Interesse der Christinos an ihr. Immer öfter blieben Sold
und Verpflegung aus. Die Legionäre gingen in Fetzen, froren, hungerten
und mußten nun auch auf ihr wöchentliches Besäufnis verzichten.
Zunehmend fühlten sie sich verkauft und verraten. Auch die guten Worte
ihres Vaters Conrad hoben ihre Stimmung nur wenig. Auf Streifzügen
begannen sie in feindlichen Dörfern Sold und Verpflegung einzutreiben.
Aber auch durch diese Raubzüge war keine geregelte Versorgung sicherzustellen.
Während die Not immer größer wurde, verteilten Bauern
heimlich Flugblätter der Karlisten, in denen jedem Überläufer
regelmäßiger Sold und gutes Essen versprochen wurden. Was tun
Söldner in einer solchen Situation? Das, was sie schon immer getan
haben: sie gehen zum Feind über. Einige Militärschriftsteller
sind hier allerdings ganz anderer Meinung. George Blond schreibt: "Hier
wird ein nach den Gesetzen des historischen Materialismus nicht zu erklärendes
Phänomen Wirklichkeit: kein einziger Legionär ging zum Feind
über." Peter Hornung schreibt fast dasselbe: "Sie hungerten weiter.
Kein Legionär ging dorthin, wo ihnen Geld und gefüllte Fleischtöpfe
versprochen waren." Natürlich ist das alles Quatsch, ein hirnloser
Heldenkult, der den Legionären in keiner Weise gerecht wird. Sie liefen
in Scharen zum Feind über; genau dorthin, wo man ihnen Geld und gefüllte
Fleischtöpfe versprochen hatte. Wenn man berücksichtigt, daß
es am Anfang nur wenige Überläufer gegeben hatte, dann noch die
Verluste abzieht und schließlich feststellt, daß trotzdem die
Hälfte aller Legionäre desertiert war, muß in der Endphase
ein regelrechtes Massenüberlaufen stattgefunden haben. Die ersten
Überläufer gab es zwar gleich nach der Landung in Tarragona,
gehäuft aber erst als die Wut auf Bernelle immer größere
Ausmaße annahm. Obwohl einige gefaßt und zur Abschreckung erschossen
wurden, waren die enttäuschten und verbitterten Söldner nicht
mehr zu bremsen. Als die Versorgung dann immer katastrophaler wurde, flohen
die Legionäre sogar "Haufenweise", wie G. berichtet. Schließlich
mußten alle Außenposten von Unteroffizieren besetzt werden,
aber auch von denen liefen einige über.
Bald verfügten die Karlisten über so viele Überläufer,
daß sie aus ihnen eine eigene Fremdenlegion bilden konnten. Sie nannten
sie die "Argelinos", nach den desertierten Veteranen aus Algerien. Ein
preußischer Offizier, den die Kriegslust ins Lager der Karlisten
getrieben hatte, war an der Aufstellung dieser Legion beteiligt und berichtet
einiges darüber. Der Großteil der Überläufer kam fast
nackt und ohne Schuhe. Da sie ihre Geldprämie meisten sofort in Alkohol
umsetzten, staffierten sie sich mit geraubten Bauernkleidern oder Uniformteilen
von Toten aus und boten ein dementsprechend erbärmliches Bild. Nur
wenige hatten Mäntel oder Decken, und fast alle trugen Hanfsandalen.
Der Offizier beschreibt sie als wild zusammengewürfelte Räuberbande,
"deren einziges Bindungsmittel der gemeinschaftliche Hang zum Rauben und
Stehlen und zur Ausübung aller nur denkbaren Exzesse war". Für
die Offiziere war es Schwerstarbeit in dieser "Horde" die Ordnung nur halbwegs
aufrecht zu halten. Im Kampf schlugen sie sich wegen der Hoffnung auf Beute
tapfer, aber die eigene Bevölkerung fürchtete sie mindestens
so sehr wie der Feind. Auf schwerere Strafen mußte verzichtet werden,
da sonst die Gefechtsstärke ernsthaft gefährdet gewesen wäre.
Er empfand deshalb tägliche Scharmützel als "ein wahres Glück,
denn die Zügellosigkeit der Soldaten nahm von Tage zu Tage zu, und
nur dem Feinde gegenüber war diese Horde zu gebrauchen".
Im Juni 1837 prallten die beiden Fremdenlegionen in der Schlacht bei
Barbastro aufeinander. Die französische, von der inzwischen nur noch
ein einziges schwaches Bataillon übrig war, deckte den linken Flügel
des christinischen Heeres. Beim Vorstoß in einem Olivenhain hörten
sie plötzlich deutsche Flüche und erkannten bekannte Gesichter.
Es "war das Corps unserer Deserteurs, die Argelinos, wild auf uns eindringend.
Dieser schmachvolle Ableger der stolzen Hülfsdivision war jetzt stärker
als der Stamm," schreibt G. dazu. Die Argelinos forderten ihre alten
Kameraden dazu auf, nun ebenfalls überzulaufen, doch diese antworteten
mit Verwünschungen. Dann wechselten sie Kugeln, um schließlich
zum Nahkampf mit Gewehrkolben, Bajonetten und bloßen Händen
überzugehen. Das Stechen, Schlagen und Würgen dehnte sich über
Stunden und erinnert in seiner Erbarmungslosigkeit an die Schlachten zwischen
Schweizern und Landsknechten. Ein in vielen Schlachten erfahrener Offizier,
der die Szenen beobachtete, schreibt sichtlich erschüttert: "Ich habe
in meinem viel bewegten militärischen Leben nie vorher, nicht später,
eine so blutige Metzelei unter Augen gehabt, als hier. Die Soldaten erkannten
sich im Gefecht, näherten sich wie Freunde, besprachen und befragten
sich, und schossen sich dann kaltblütig einander nieder".
Conrad fiel an der Spitze seiner Männer. Die Schlacht ging dennoch
verloren. Beim Appell am nächsten Tag zählte die Fremdenlegion
noch ganze 381 Mann. Das war nach zwei Jahren der klägliche Rest von
insgesamt 8.000. Nach Barbastro waren sie endgültig zerschlissen und
zu keinem Einsatz mehr fähig. Die Regierung hatte damit völlig
das Interesse an ihnen verloren und die Soldzahlungen endgültig eingestellt.
Demoralisiert und bettelnd vegetierten die letzten Legionäre noch
über ein Jahr in armseligen Hütten am Rande Pamplonas, bis sie
endlich entlassen und nach Frankreich zurückgeschickt wurden. Aber
auch von den Argelinos waren von 875 nur 160 Mann übrig geblieben,
die kurz nach Barbastro aufgelöst wurden. In ihrem letzten Gefecht
hatte sich die Fremdenlegion selbst vernichtet. Daß sie sich in diesem
schäbigen Krieg, in dem übrigens Engländer und Franzosen
auch den Karlisten fleißig Waffen verkauften, wesentlich besser schlugen
als die anderen Legionen, ist ein zweifelhafter Ruhm, auf den zumindest
viele der Gemeinen sicher gerne verzichtet hätten.
© Frank Westenfelder
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