Der Zauber Ostindiens

Der Kolonialdienst in der VOC.

Wappen der VOC Nachdem die Niederländer im Dauerkonflikt mit Spanien einige erste Handelsexpeditionen zu den Gewürzinseln in Ostindien geschickt hatten, beschlossen sie ihre Unternehmungen dort zu bündeln und gründeten 1602 die OIC (Oost-Indische Compagnie), aus der dann später die VOC (Vereenigde Oost-Indische Compagnie) wurde. Während WIC ihre Kräfte in einem permanenten Krieg um Pernambuco verschliss, machte die VOC in Ostindien bessere Geschäfte. Hier war es den Niederländern gelungen sich nach und nach ein riesiges Imperium zusammenzurauben. Das dazu notwendige Menschenmaterial konnte nur zum Teil im eigenen Land angeworben werden, da die relativ kleine Bevölkerung auch auf den Werften und in den Kontoren gebraucht wurde. Gegen Ende des Jahrhunderts verfügte die VOC über 200 Großschiffe mit mehr als 30.000 Mann Besatzung. In den zerstreuten Garnisonen lagen ständig 8-15.000 Söldner, und vor allem die weiten Seereisen forderten einen hohen Tribut. Ständig gingen Schiffe durch Sturm oder Krieg verloren, noch mehr dezimierten Krankheiten die Mannschaften. Im Durchschnitt lag die Todesrate bei einem Transport nach Ostindien bei 10%, oft jedoch weit darüber. So waren zum Beispiel von den 600 Mann, die 1616 zu einer Erkundungsfahrt um die Erde aufgebrochen waren, nur 53 zurückgekommen.

In Ostindien kam es zwar auch zu Kämpfen mit Portugiesen und Eingeborenen, aber Fieber, Malaria, Beriberi, Ruhr, Totschlag und Militärstrafen forderten weitaus höhere Opfer. Selbst in relativ friedlichen Zeiten ergab sich daraus ein enormer Menschenverschleiß. Im 17. Jahrhundert wurden 317.800 Mann nach Asien geschickt; nur 114.400 kamen zurück. Weit über die Hälfte davon waren Ausländer, wovon die Deutschen den Löwenanteil stellten. Der Anteil der Franzosen und Engländer war schon deshalb zurückgegangen, da diese mit eigenen Flotten nach Asien vorstießen. Außerdem führten beide mehrere Kriege gegen Holland, wodurch Werbungen immer wieder untersagt wurden. Weiterhin dienten in der VOC viele Flamen, Skandinavier und Polen. Das ideale Hinterland war für Holland aber weiterhin das Reich. Aus Friesland, Holstein und den Hansestädten kamen erprobte Seeleute; Hessen, Pfälzer und Elsässer nutzten die gute Schiffsverbindung auf dem Rhein, aber das ferne Indien verlockte auch erstaunlich viele Süddeutsche aus Nürnberg, Schwaben und Bayern dazu ihr Glück in Amsterdam zu versuchen.

Der Dienst in Ostindien unterschied sich in vielem von dem in Brasilien. Man versuchte zwar auch hier den Portugiesen einzelne Schiffe und Forts abzunehmen, kämpfte sonst aber eher selten gegen europäische Truppen. An der langen reichen Küste Indiens und Ceylons, im chinesischen Meer und im weiten indonesischen Archipel zerstreuten sich die Flotten der Kolonialmächte. Da die asiatischen Staaten in der Regel dicht bevölkert und relativ hoch entwickelt waren, konnten die Kolonialmächte anfangs nur kleinere Inseln erobern oder mußten sich auf Handelsniederlassungen beschränken. Für die Söldner der WIC war der Seetransport oft das Interessanteste gewesen, in Brasilien hatte dann der Krieg schnell die exotischen Reize erstickt. In Ostindien bestand der Dienst dagegen oft aus Seereisen. Truppen wurden von Batavia nach Ceylon, Indien, auf die Molukken, nach Sumatra oder eine andere der zahllosen Inseln geschickt. Im lockeren aber weiten Machtbereich der VOC gab es unendlich viel Fremdes zu sehen und zu entdecken, und so trieben Reiselust und die Hoffnung auf schnelle Reichtümer weiterhin zahllose Abenteurer auf die holländischen Schiffe.

Das Kolonialreich der VOC 1689

Viele kamen aus Städten und besaßen eine gewisse Bildung. Sie hatten Reiseberichte gelesen und waren entschlossen ihre Jugendträume zu verwirklichen. Natürlich wollten auch sie reich werden, aber es waren meistens recht nebelhafte Vorstellungen von märchenhaften Schätzen und Bergen aus Gold. Einer hatte sogar gehört, daß man Hammer und Meißel mit nach Indien nehmen sollte, um die Diamanten "von den Klippen zu kriegen". In ihrer Vorstellungswelt war der ferne Osten eine fantastische Welt, eine Mischung aus Marco Polo und 1001 Nacht, wo barbarische Könige, deren Schatzkammern mit Perlen und Juwelen gefüllt waren, auf Thronen aus Elfenbein und Lapislazuli saßen. In den Krieg zogen sie hoch auf einem Elefanten, und wenn sie getötet wurden, warfen ihre Witwen Edelsteine ins Volk, um sich dann auf den brennenden Scheiterhaufen zu stürzen. Ein Schreiber aus Leipzig berichtet er habe "an der Frantzösischen Reise-Sucht kranck darnieder gelegen" und sei deshalb mit einem Freund nach Paris aufgebrochen. Auf einem Hamburger Schiff trafen sie einen Söldner, der bereits in Ostindien gewesen war. Dieser predigte ihnen so lange von "Croesischen Schätzen" und "güldenen Bergen" bis sie ihre Pläne änderten und sich in Amsterdam anwerben ließen. Dem Nürnberger Patriziersohn Johann Sigmund Wurffbain dagegen hatten seine Eltern geraten, das Ende des Dreißigjährigen Krieges in Ostindien abzuwarten. Er wurde nur Söldner, weil man ihm eine Stelle als Kaufmann in Aussicht gestellt hatte. Da er aus einer wohlhabenden Familie kam, empfand er Strapazen, Verpflegung und Disziplin als unzumutbar und kam zu dem Schluß: Es "wird niemand aus Fürwitz oder frembder Lust, sondern vielmehr aus Mangel der Nahrung, oder ungebürlichen Ursachen, sich unterstehen, für einen Soldaten bey den Engelländern, Portugiesen und Holländern, Dienst zu nehmen". Er riet seinen Lesern solche Reisen lieber auf eigene Kosten zu unternehmen. Aber wer hatte schon das Geld dazu? Für viele blieb der Kriegsdienst die einzige Möglichkeit aus ihrer engen Heimat auszubrechen.

Der Weg war meistens der gleiche. Man meldete sich in Amsterdam bei den Rekrutierungsbüros der VOC und wurde gemustert. Das hieß man verpflichtete sich in der Regel für fünf Jahre und erhielt Waffen, eine Seekiste, Bettzeug und Handgeld, mit dem Kleidung und Zusatzverpflegung gekauft werden konnte, das aber viele gleich im Hafen vertranken. Wurde gerade keine Flotte zusammengestellt, mußte man warten, entweder auf eigene Kosten oder im Haus eines Seelenverkäufers, eines "Zeelverkoopers" wie sie genannt wurden. Diese nahmen stellenlose Seeleute und Söldner bei sich auf, verköstigten sie und verkauften sie dann bei Bedarf an Kapitäne, Reeder oder die VOC. Die Unkosten und der nicht unbeträchtliche Gewinn des Seelenverkäufers wurden später vom Sold abgezogen.

Das Haupthaus der VOC in Amsterdam Nach der Musterung wurden die Söldner mit kleineren Schiffen nach Texel gebracht, wo die Flotten nach Ostindien ablegten. Mit der Seereise begann dann für viele die Ernüchterung. Oft drängten sich drei- bis vierhundert Mann auf dem Zwischendeck. Gesunde, Verlauste und Kranke lagen dicht an dicht. Jeweils sieben Mann bildeten eine Back und erhielten in einer gemeinsamen Holzschüssel ihr Essen. Es gab Gerstengrütze, Bohnen, Erbsen, Stockfisch und Salzfleisch, dazu erhielt jeder wöchentlich eine Ration Zwieback und am Anfang der Fahrt mehrere kleine Hartkäse. Außerdem besaß jeder eine Kanne für die tägliche Wasserration, zu der manchmal auch etwas Branntwein und am Anfang der Fahrt auch Bier kamen. Wasser war immer knapp und wurde strenger rationiert bei widrigen Winden oder wenn der Kapitän aus Eile auf Zwischenstationen verzichtete. Nach einigen Wochen begann das Wasser zu stinken und in den Fässern schwammen weiße Würmer. Einige Söldner berichten, daß sie es immer durch ein Tuch siebten und nur mit zugehaltener Nase trinken konnten. Das Essen war zwar nahrhaft, aber es gab genug Kapitäne, die mit dem Ankauf von verdorbenem Proviant ihr Gehalt aufbesserten oder den dafür vorgesehenen Lagerraum zum Teil für eigene Handelsware benutzten. Konnte mit diesem Essen ein Gesunder immerhin auf bessere Zeiten hoffen, so war es für Kranke oft tödlich. Es war schwer verdaulich, viel zu salzig und enthielt keinerlei Vitamine. Die meisten Opfer forderte dann auch der Skorbut, der sogenannte "Scharbock", gefolgt von Ruhr, Dysenterie, Blattern, Wassersucht und diversen Tropenkrankheiten.

In fast allen Reiseberichten sind die Seereisen auch gleichzeitig Chroniken des alltäglichen Sterbens an Bord. Viele der Kranken waren zu schwach, um sich zu bewegen und lagen apathisch in Urin, Eiter und Erbrochenem, in Hitze und Gestank des Zwischendecks. Man wußte zwar noch nichts von Vitaminen, hatte aber die Erfahrung gemacht, daß frische Nahrung den meisten Kranken half. Deshalb versuchte man nach Möglichkeit auf den Kanaren oder Kapverden Früchte und frisches Wasser zu laden. Klügere Kapitäne ließen Zitronen in Fässer einlegen und dann an die Mannschaft ausgeben. Aber wirklich schlimm wurde es in der windstillen Region am Äquator. Dort lagen die Schiffe oft wochenlang fest und in der mörderischen Hitze wurde das Zwischendeck zur Hölle. Ein Söldner schreibt, daß es selbst nachts noch heißer als in einer "Badstuben" zu Hause war. Einige verloren vor Durst und Hitze den Verstand und sprangen über Bord. Für Schiffe, die lange am Äquator festgelegen hatten, war die Insel St. Helena manchmal die letzte Rettung. Danach kam das Kap der guten Hoffnung, das seinen Namen erhalten hatte, da nun das schlimmste vorbei war. Im indischen Ozean waren die Winde besser und man legte den Weg nach Batavia meistens in einer Etappe und mit weit geringeren Verlusten zurück.

Doch nicht nur Krankheiten dezimierten die Mannschaften. Enge, Hitze, Verzweiflung, Langeweile und schlechte Verpflegung förderten Gewalt und Aggressionen. Bei Söldnern und Matrosen saßen die Messer locker. Ein falsches Wort und es kam beim Essen und vor allem beim Spiel zu Streit, Schlägereien und Totschlag. Natürlich waren solche Dinge schon immer typisch für das Zusammenleben von Söldnern, aber im Mittelalter berichten nur wenige Chronisten ganz allgemein davon und auch die Landsknechte schrieben lieber von ihren Heldentaten. Durch die zahlreichen Reiseberichte wird dieses vage Bild nun deutlicher. Fast jeder, der auf den Schiffen der VOC fuhr, schreibt über Diebstahl, Gewalt und Messerstechereien. Da sich an Karten- und Würfelspielen um Geld der meiste Streit entzündete, waren diese streng verboten, harmlose Brettspiele wie Dame dagegen erlaubt. Doch die Söldner ließen sich dadurch nur bedingt von ihrer großen Leidenschaft abhalten. So schreibt einer, daß der Profos vor allem deshalb verhaßt war, da er nachts über das Deck schlich und lauschte, ob heimlich gespielt wurde. Er und seine Genossen verstopften deshalb alle Löcher mit Matratzen und planten, im Falle einer Entdeckung den Profos zu überwältigen und über Bord zu werfen. Um trotzdem die Disziplin aufrecht zu erhalten, bediente man sich einer ganzen Reihe barbarischer Militärstrafen. Gepeitscht wurde schon wegen Lappalien, schlimmer war das Kielholen, wobei der Verurteilte mehrmals mit einem Seil unter dem Kiel durchgezogen wurde, was nur wenige überlebten. Für schwere Vergehen gab es die Todesstrafe in Form von Hängen oder Erwürgen, manche wurden auch in Eisen geschlossen und erst in der nächsten Garnison verurteilt. Wer im Streit ein Messer benützte, dem wurde die Hand damit an den Mast genagelt und er mußte sie selbst losreißen.

exotische Füchte in Ostindien Wenn die Söldner nach den langen Strapazen endlich Java erreichten, kamen sie in eine fremde, faszinierende Welt. Die Holländer hatten in einem Krieg gegen den herrschenden Sultan und die konkurrierenden Engländer das alte Jakarta zerstört und eine völlig neue Stadt errichtet, die sie nach ihrer Heimat Batavia nannten. Batavia war fast eine holländische Stadt mit Mauer, Wassergraben, Zugbrücken, Kanälen, breiten gepflasterten Straßen, mächtigen Kolonialbauten und prächtigen Gärten. In Batavia flossen die Reichtümer des Imperiums zusammen, hier saß der Gouverneur und hier war der Knotenpunkt für die weitverzweigten Handelsrouten. Das Kastell sollte mit seinen vier Bastionen Diamant, Rubin, Saphir und Perle sowohl Macht wie auch Reichtum der Kompagnie demonstrieren. In den Straßen drängten sich Holländer, Chinesen, Malaien, Neger, Inder und Mischlinge aller Rassen. Es gab Sklaven aus dem gesamten Archipel, aus Bali, Amboina, Macassar, Borneo und Sumatra, dazu solche aus Bengalen, Ceylon und Madagaskar. Jeder Haushalt besaß Sklaven, ein einfacher Handwerker manchmal nur ein halbes Dutzend und die Räte von Indien mehrere hundert. Durch die Menge schoben sich Lastenträger, Sänften, von Wasserbüffeln gezogene Karren und manchmal ein Elefant. In den Kontoren und Lagerhäusern stapelten sich Baumwoll- und Leinenstoffe aus Indien, seidene Tücher aus Persien, Bengalen und China, Zinn aus Malaysia, chinesisches Porzellan, Tee, Opium, Salpeter, Zucker, Ebenholz und all die Gewürze Ostasiens: Muskatblüten und -Nüsse, weißer und schwarzer Pfeffer, Zimt und die heiß begehrten Gewürznelken von den Molukken. Die Gärten, Marktstände, Buden und Garküchen waren voll von exotischen Blüten, Früchten, Gerüchen und Menschen, von denen man in Europa keinerlei Vorstellung hatte.

Die Neuankömmlinge waren überwältigt. Das Staunen begann gleich mit der Ankunft, wenn zahllose kleine Boote die Schiffe umschwärmten und den Ausgezehrten exotische Früchte und Speisen verkauften. Fast alle Berichterstatter machten sich die Mühe die verschiedenen Früchte zu beschreiben: Ananas, Melonen, Bananen, Papayas, Mangos und Pampelmusen. In der Stadt beglotzten sie die tausend Völkerschaften in ihren fremdartigen Kleidern, Chinesen mit langen Seidenhemden und Pantoffeln, Inder mit geölten Haaren, schwarze Sklaven, einheimische, mit Federn geschmückt Söldner mit bunt bemalten Schilden, seltsamen Waffen und Musikinstrumenten, Frauen in durchsichtigen Leibchen und Saris. Sie besuchten chinesische und malaiische Hochzeiten, blumengeschmückte Prozessionen mit riesigen Pauken, chinesische Theateraufführungen und Hahnenkämpfe. Fast jeder bewunderte die Anmut und den reichen Schmuck der einheimischen Tänzerinnen. Einer schreibt begeistert über die fremden Sitten und Gebräuchen und der Schönheit der Stadt, wo sogar die Bastionen mit Magnolien und Limonen bepflanzt waren. Er beteiligte sich an Jagden auf Krokodile, Nashörner, Tiger und Büffel. Ein anderer fraß einmal so viele Mangos bis ihm schlecht wurde. Andere sahen Elefantenjagden auf Ceylon. Wer hatte im Europa des 17. Jahrhunderts schon jemals solche Tiere gesehen? In Batavia und Colombo mußten die Söldner vor Elefanten exerzieren, damit diese ihre Scheu vor dem Musketenfeuer verloren.

Natürlich hatte die VOC ihre Söldner nicht als bezahlte Touristen geworben, aber große Kriege waren in Ostindien relativ selten. Die Kolonialmächte vermieden nach Möglichkeit Konflikte mit mächtigen Herrschern, schützten ihre Handelsniederlassungen mit Garnisonen und eroberten lediglich kleinere Inseln. Zur Sicherung der exorbitanten Gewinne war eine Monopolstellung im Handel von zentraler Bedeutung. Dazu jagte man zwar auch die Schiffe der Konkurrenz, versuchte aber vor allem mit den einheimischen Fürsten entsprechende Verträge zu schließen. Wenn das Erscheinen der Flotte nicht ausreichte einen Fürsten zur Unterschrift zu bewegen, landeten die Söldner und sorgten mit gezieltem Terror für die notwendige Einsicht.

Fort Nassau auf Banda Oft rebellierten die Eingeborenen, wenn die Flotte weg war. Aber die modernen Forts mit ihren Geschützen konnten sie nicht erobern, und die Aufstände wurden wieder mit der altbewährten Brutalität niedergeschlagen. Letzten Endes fügten sie sich und lieferten ihre Gewürze in den Kontoren der VOC ab. Für Schwierigkeiten sorgten lediglich englische Schiffe, die die Eingeborenen aufwiegelten und mit Musketen versorgten, um ebenfalls an die begehrten Gewürze zu kommen. Doch die Fregatten und Landungstruppen der VOC wurden meistens schnell mit diesen Unruhen fertig. Die Söldner brannten einige Dörfer und Felder nieder und versorgten den Sklavenmarkt in Batavia mit neuem Nachschub. Bis Mitte des Jahrhunderts hatten sie die Inseln des Archipels so dauerhaft "befriedet", daß viele ihre gesamte Dienstzeit ruhig in den Garnisonen verbringen konnten.

Doch das Leben in den kleinen weit verstreuten Forts hatte andere Tücken. Viele Inseln waren als Fieberhöllen gefürchtet. Hinzu kam, daß auch hier immer wieder einige Kommandanten die Gelegenheit nützten, sich an der Nahrung zu bereichern. Aber fast noch schlimmer als die Krankheiten war die im wahrsten Sinne des Wortes tödliche Langeweile. Die Söldner bekämpften sie mit ihren altbewährten Mitteln: Suff, Spiel und Streit. Es war sicher nicht ganz so übel wie auf den Schiffen, aber im Laufe der Jahre kam einiges zusammen. Duelle, Messerstechereien, Totschlag und die folgenden Strafen forderten meistens mehr Opfer als Kriege und Strafexpeditionen. Wurffbain war fünf Jahre auf Amboina und dort geschah einfach nichts. Er schreibt über Ruhr, Wassersucht, Fieber, Blattern, Pocken und Beriberi und kam zu dem Schluß, daß auf Amboina die ungesunde Luft mehr Europäer aufgerieben hätte, als die Waffen der Eingeborenen. Die einzige Abwechslung scheinen Schiffe und Gerichtstage gewesen zu sein. Die ersteren waren selten, die anderen eine regelmäßige Abwechslung in der Monotonie. Akribisch notierte Wurffbain wieviele Personen gegeißelt, gebrandmarkt, gewippt, verbannt, gerädert, gehängt, enthauptet, stranguliert und erschossen wurden. Die Ursachen - Konspiration, Gotteslästerung, Ehebruch, Blutschande, Mord, Totschlag, Desertion, Sodomie und die Flucht von Sklaven - verraten viel über den Alltag in einem kleinen Fort am Ende der Welt. Gewalt und die entsprechenden Strafen findet man zwar in allen Reiseberichten, aber nur Wurffbain schreibt so ausführlich darüber, da sich sonst auf Amboina absolut nichts ereignete, was ihm berichtenswert schien. Klatschgeschichten, ein Dutzend Schiffe, das Einfangen entlaufener Sklaven und alle ein, zwei Monate ein Gerichtstag waren die Glanzlichter seines fünfjährigen Dienstes.

© Frank Westenfelder  
amz Die geheimen und schmutzigen Kriege der CIA.
Buch Der amerikanische Bumerang

Christopher Simpson

NS-Kriegsverbrecher im Sold der USA. Das Standardwerk zu diesem Thema.

Buch Die CIA und das Heroin

Alfred W. McCoy

Der geheime Krieg im Goldenen Dreeick. Die Welt der Hmong, KMT und des Colonel Kurtz.

Buch CIA: Die ganze Geschichte

Tim Weiner

Die Geschichte der CIA seit ihrer Gründung. Ein prämiertes und rundum lesenswertes Buch.