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Das Mittelalter______________________________ein Neubeginn

Die normannischen Könige

und ihre rebellischen Barone.

Sucht man nach den Anfängen des hochmittelalterlichen Söldnerwesens, stößt man automatisch auf das England der normannischen Könige. Der Staat gilt vom Ausbau der Zentralgewalt – Verwaltung, Finanzwesen und damit natürlich auch Militär - als der modernste des Abendlandes in seiner Zeit. Er gilt aber auch als Paradebeispiel einer Feudalgesellschaft, die selbstverständlich mit allen Vorformen eines "modernen" Staates aneinander geraten musste. In diesem Konflikt spielten Söldner eine entscheidende Rolle. Es ist deshalb nicht nur interessant ihre Aktionen in diesen Auseinandersetzungen zu beschreiben, sondern auch danach zu fragen, warum es gerade in England dazu kam und welche Faktoren ihre Verwendung begünstigten.

William der Eroberer Das wichtigste Argument für die Verwendung von Söldnern war sicher die zweifelhafte Loyalität von Feudalaufgeboten. In der zeitgenössischen Literatur ist zwar im Zusammenhang mit dem Adel fortwährend von Ehre und Treue zu lesen, die bei Gelegenheit auch gerne mit Heimtücke und Verrat von Söldnertruppen kontrastiert werden; die patriotische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts hat diese Mythen dann weiter bedient. Man kann jedoch feststellen, dass dies mit der Realität kaum etwas zu hatte. Ein Historiker meint, dass in England seit 1066 die Loyalität des Adels vor allem "durch ihre Abwesenheit" aufgefallen sei. Als Beispiel geht er dann kurz auf die 10 mächtigsten normannischen Barone ein. Von diesen Kampfgefährten Williams des Eroberers verloren zwei ihren Grundbesitz wegen Untreue, fünf – oder ihre Söhne – rebellierten bis zum Ende des Jahrhunderts mindestens einmal, der sechste 1101. D.h. lediglich 2 der 10 großen Adelsgeschlechter standen länger als 35 Jahre treu zur Krone und ihren beschworenen Verpflichtungen!

Den meisten Leuten fällt zu William dem Eroberer lediglich die Schlacht bei Hastings ein – in Schulbüchern steht ja auch nicht mehr. Den weitaus größten Teil seines kriegerischen Lebens zog er jedoch gegen seine eigenen Untertanen, seinen Sohn und den König von Frankreich – in diesem Fall selbst als rebellischer Vasall – zu Feld. Diese "Familienstreitigkeiten" waren zwar im ganzen Abendland verbreitet – wahrscheinlich sogar in den Feudalsystemen der ganzen Welt -, unter den Normannen erreichten sie jedoch ungewohnte Höhepunkte. Das lag zum Teil sicher daran, dass die Normandie und erst recht England neu eroberte Territorien waren, in denen sich die Adligen durchaus gleichwertig fühlten. Der Herzog oder der König waren Emporkömmlinge wie alle anderen auch, altes Recht oder Traditionen galten wenig, wenn man sie nicht mit Gewalt durchsetzen konnte. 1066 hatte William bereits 31 Regierungsjahre in der Normandie hinter sich, ein endloser Überlebenskampf und eine immense Erfahrung mit der Illoyalität seiner Barone. Wahrscheinlich hatte er bereits hier gelernt die Zuverlässigkeit von Söldnertruppen zu schätzen. Denn sein Herzogtum verfügte über einige florierende Hafenstädte, ein gut ausgebautes Steuersystem, und er selbst legte immer Wert auf gefüllte Kassen.

Aber auch wenn der Adel ausnahmsweise treu zu seinen beschworenen Pflichten stand und sich in voller Stärke einfand, konnte es sein, dass seine Kräfte bei weitem nicht ausreichten. Feudalheere waren in der Regel sehr klein und man nimmt an, dass die Normandie maximal 2.000 Mann Feudaltruppen hätte liefern können. Dann wäre das Land aber ohne Verteidigung geblieben und den Angriffen seiner Nachbarn ausgeliefert gewesen. Für die Schlacht bei Hastings gehen aber neuere Schätzungen von einer normannischen Truppenstärke von um die 7.500 Mann aus. Bei dem größten Teil des Heeres handelte es sich also weder um Normannen, noch um Lehnsleute. Das Gros stellten Flamen und Bretonen, dazu kamen Franzosen aus dem Poitou, Maine und der Ile de France, manche waren aber auch aus Burgund, der Provence oder sogar Italien gekommen.

Unter diesen Freiwilligen gab es eine Menge normaler Söldner, die zuerst ein Handgeld erhielten und später mit der Beute ausgezahlt werden sollten. Doch William verfügte bei weitem nicht über die Mittel, um ein Heer dieser Größe richtig zu besolden. Der größte Teil sollte deshalb mit erobertem Land für seine Mühen entschädigt werden. Tatsächlich kann man für den Südwesten Englands hunderte flämischer Lords nachweisen, die dort Lehen erhalten haben. Natürlich trat nicht jeder Abenteurer in ein Vertragsverhältnis mit William. Reichere Adlige traten mit einer ganzen Truppe in seine Dienste und erhofften sich dafür eine Grafschaft, mit der sie wiederum ihre Männer entlohnen konnten. Manche wie Alan von Bretagne oder Eustace von Boulogne brachten nicht nur Krieger, sondern auch Versorgungsgüter, Geld und Schiffe in das Unternehmen ein. Der Historiker John Beeler bezeichnet die Eroberung deshalb als "a freebooting expedition conceived on a magnificent scale". Es wäre nun sicher mehr als ungerecht, wenn man nur die armen Teufel, die auf einen Vorschuss angewiesen waren als "Söldner" bezeichnen würde, die großen Investoren, die auf viel reicheren Gewinn hofften, dagegen nicht.

Nach dem Sieg bei Hastings begann die Niederwerfung der Angelsachsen, ein äußerst grausamer Kleinkrieg, der sich über Jahre hinzog. Für diese Aufgabe brauchte William mobile, schnell verfügbare Truppen, die sich nicht um ihren eigenen Besitz kümmern mussten. Söldner stellten deshalb hier den größten Teil. Viele wurden als Mitglieder des königlichen "Household", der "familia regis" unterhalten. Das heißt sie lebten auf Kosten des Königs und erhielten festen Sold. Natürlich erwartete auch ein zum Household gehörender Ritter irgendwann ein Lehen für seine Dienste – manche hatten auch längst welche. Dennoch gab es noch hundert Jahre später jede Menge Ritter ohne Lehen, die im Household des Königs oder verschiedener Barone lebten.

Theoretisch beruhte Englands militärische Macht nun im Wesentlichen auf dem Ritterdienst. Das Land wurde als Ritterlehen vergeben. Das heißt es wurde geklärt, mit wie vielen Rittern sein Besitzer dem König Waffendienst leisten musste. Mächtige Barone waren einige hundert schuldig, mancher Abt vielleicht nur ein Dutzend und viele Kleine Grundbesitzer sollten lediglich selbst erscheinen. Mit diesem System hätte man theoretisch knapp 5.000 Ritter mobilisieren können, ist aber nie über einen Bruchteil hinausgekommen. Eines der Probleme war die begrenzte Dienstzeit - 40 Tage jährlich – durch die längere Feldzüge unmöglich waren. Hier behalf man sich mit Geld und bezahlte die Ritter, wenn die Pflichtzeit abgelaufen war. Wesentlich gravierender war, dass man zunehmend Fußvolk für Garnisonen und Belagerungen aber auch auf dem Schlachtfeld benötigte. Es gab zwar noch aus angelsächsischer Zeit Volksaufgebote und die Milizen der Städte aber ihr Ausbildungsstand und ihre Kampfmoral waren meist sehr gering. Erfahrene Profis und Spezialisten waren praktisch nur auf dem Söldnermarkt zu bekommen.

Robert Kurzhose unterwirft sich Das grundlegende Problem des Ritterdienstes war aber, dass das Gros der Truppen von den Baronen gestellt wurde, und die waren chronisch unzuverlässig. So lange die Angelsachsen noch unterworfen werden mussten, hielt man notgedrungen zusammen. Doch kaum war der letzte Widerstand erloschen, kam es 1075 zur ersten großen Rebellion. 1078 erhob sich sogar Williams Sohn Robert Kurzhose, der die Normandie verwaltete und nun endlich sein Erbe antreten wollte. Auf der Suche nach Hilfe verbündete er sich mit dem König von Frankreich. William konnte beide Aufstände niederschlagen, musste dabei aber auf die schlagkräftige Unterstützung von Söldnern zurückgreifen, die sich als wesentlich zuverlässiger erwiesen - zumindest so lange das Geld kam.

Es ging aber nicht nur um innere Kämpfe, auch wenn das Königreich von außen bedroht wurde, erachtete William das System des Ritterdienstes offensichtlich nicht für ausreichend. Als 1085 eine dänische Invasion erwartet wurde, warb er auf dem Kontinent eine große Söldnerarmee aus Franzosen und Bretonen, die dann sogar den Winter über bei seinen Untertanen einquartiert wurde. Erst als die Gefahr vorbei war, wurden sie im folgenden Jahr zurückgeschickt.

Nun unterschieden sich Williams Probleme nur wenig von denen anderer Könige – wenn auch die normannischen Barone vielleicht doch etwas aufsässiger als der europäische Durchschnitt waren. Bleibt die Frage, warum er ungleich mehr als andere auf Söldner zurückgriff und dies auch finanzieren konnte. Da wäre sicher als erstes seine harte "Lehrzeit" als Herzog der Normandie, während der er den Wert des Geldes und damit die Bedeutung einer funktionierenden Finanzverwaltung erkannt hatte. Als erfolgreicher Eroberer machte er dann nicht nur reiche geldwerte Beute, sondern konnte auch das Land neu nach Gutdünken verteilen und organisieren. Bei der Belehnung seiner wichtigsten Mitstreiter achtete er zum Beispiel genau darauf, dass keine großen zusammenhängenden Territorien entstanden. In England übernahm er mit dem "Danegeld" - eine Abgabe die ursprünglich den Tributzahlungen an die dänischen Wikinger diente – eine der ältesten regelmäßigen Steuern Europas. Er setzte zahlreiche Beamte ein, die Steuern und Abgaben nicht nur eintreiben, sondern auch deren Aufkommen möglichst genau notieren sollten. Das berühmte Domesday-Book, ein einzigartiger Inventar von Land und Leuten, sollte in erster Linie erfassen, was dem König zustand. William beherrschte sicher nicht das größte Königreich des Abendlandes, aber sicher das am stärksten zentralisierte seiner Zeit

Dennoch benützte William Söldner möglichst in bescheidenem Umfang, zur Niederschlagung von Rebellionen, was ihm meistens sehr schnell gelang, als Garnisonen wichtiger Festungen und als Ergänzung während seiner Feldzüge auf dem Kontinent. Das änderte sich als er 1087 den Strapazen eines dieser langwierigen Feldzüge gegen Frankreich erlag und sich seine Söhne um das Erbe stritten. Robert Kurzhose, der Erstgeborene hatte schon vorher die Normandie erhalten; William II. "Rufus" (der Rote) wurde König von England, und Henry wurde mit Geld abgefunden.

Spezialisten bei einer Belagerung Bereits im folgenden Jahr erhoben sich fast alle englischen Barone gegen William Rufus. und wurden dabei von Robert Kurzhose unterstützt. William konnte fast nur auf die Hilfe der angelsächsischen Bevölkerung und der Kirche zählen. Deren militärische Schlagkraft war allerdings bei weitem nicht ausreichend. Die besorgte er sich im Ausland wie eine Chronik berichtet: "Wegen der Angst vor einem Aufstand, sammelte er Söldner vom Beginn seiner Herrschaft. Er verweigerte ihnen nichts und versprach ihnen sogar reicheren Lohn für später. […] Die Nachricht von seiner Großzügigkeit verbreitete sich im Westen und erreichte sogar den Osten. Krieger liefen ihm zu, aus jeder Provinz auf dieser Seite der Berge (Alpen), und er bezahlte sie freigiebig." Hauptsächlich dank der Söldner war der Aufstand bald niedergeschlagen. Schlachten gab es keine, dafür ausgiebige Verwüstungen und einige Belagerungen, für die als Spezialisten Armbrustschützen, Ingenieure und Mineure geworben worden.

William Rufus war damit nicht zufrieden. Er dachte nun daran als Revanche sozusagen die Normandie zu erobern. Auch dazu waren natürlich vor allem Söldner notwendig, und das bedeutete Geld und nochmals Geld. Er ließ deshalb viele neue Steuern und Sonderabgaben erheben und galt bald als noch geldgieriger als sein Vater. In einer Chronik ist darüber zu lesen: "Das Geld, das er den Laien und Klerikern abpresste, benutzte er, um seine persönlichen Ziele in der Normandie zu verfolgen, oder verteilte es mit freier Hand an seine Anhänger, vor allem an seine Söldner vom Kontinent, mit denen er sich bevorzugt umgab, und deren geduldete Plünderungen die Lasten und Tyrannei des Königreichs sehr erschwerten."

Neben dem Ritterdienst gab es wie gesagt immer noch Reste des alten Volksaufgebots, durch das alle freien Männer zum Kriegsdienst verpflichtet waren. Wie wenig William Rufus allerdings von deren Kampfwert hielt, zeigt sich an einem besonderen Beispiel. 1094 befahl er 10.000 dieser Männer in Hastings zu versammeln, um sie zu seiner Unterstützung in die Normandie zu schicken. Da sich jeder Mann selbst ausrüsten und versorgen musste, sollten alle 10 Shilling Zehrgeld mitbringen. Als dann alle versammelt waren, ließ sein Stellvertreter dieses Geld einsammeln und schickte alle wieder nach Hause. Das Geld wurde dann dazu verwendet, um auf dem Kontinent professionelle Krieger zu mieten.

Man ersetzte aber nicht nur das ungeübte Fußvolk, sondern auch zunehmend die unzuverlässigen Ritter. In die Regierungszeit von William Rufus fallen die ersten Belege für die Erhebung eines Schildgeldes genannt "scutage". D.h. alle im Besitz eines Ritterlehens wurden zum Kriegsdienst aufgerufen, sollten aber hauptsächlich eine Entschädigung dafür bezahlen, dass sie zu Hause blieben. Die scutage diente ausschließlich dazu die feudale Heeresfolge durch Solddienst zu ersetzen und gewann in der Folgezeit schnell an Bedeutung. Bald wurden viele Lehen gegen Bezahlung des Ritterdienstes vergeben und nicht mehr für diesen selbst.

Als William Rufus 1100 bei einem Jagdunfall starb, änderte sich an der allgemeinen Situation sehr wenig. Da sich Robert Kurzhose noch auf dem Kreuzzug befand, nutzte ihr Bruder Henry die Gunst der Stunde und ließ sich zum König von England krönen. Robert war bei seiner Rückkehr verständlicherweise nicht darüber erfreut, wiegelte wieder die normannischen Barone in England auf und landete mit einem Heer. Während Robert aber ziemlich bankrott aus dem Heiligen Land heimgekehrt war, verfügte Henry über den Staatsschatz Englands und konnte deshalb seinen Bruder mit einem jährlichen Tribut zum Abzug bewegen. Anschließend rekrutierte er neue Söldner und machte sich an die Unterwerfung seiner Barone. Bei seinen Werbungen erschloss er mit Wales ein neues Reservoir, das in Zukunft immer mehr Bedeutung gewinnen sollte.

Nachdem Henry die Lage in England wieder unter Kontrolle hatte, wandte auch er sich der Eroberung der Normandie zu und stützte sich dabei wie William Rufus hauptsächlich auf Söldner. Sicher folgten ihm auch normannische Ritter aus England, im wesentlichen hatte das Königreich aber die Funktion durch sein funktionierendes Steuersystem für das notwendige Kleingeld zu sorgen. So ist in einer Chronik über seinen Angriff auf die Normandie zu lesen:
"Der König setzte sein Vertrauen in Geld, von dem er mehr als genug hatte. Er landete in der Normandie mit einer Menge Geld und vielen Männern.[…] In großen Fässern und Karren führte er das Geld mit sich. Kastellanen und Baronen, die Türme und befestigte Plätze hatten, und tapferen Kriegern und Adligen gab er so viel und versprach ihnen noch mehr, dass sie Herzog Robert verließen und auf der Seite des Königs kämpften.“
Der König hatte eine große Summe Sterling und rief die Männer von Maine und Anjou und die Bretonen, die ihn unterstützten, und sie kamen bereitwillig wegen der Aussicht auf Verdienst. Egal wie viele Söldner auch kamen, es waren ihrer nicht so viele, dass sie der König nicht alle ausgehalten hätte."


normannische Barone Was hier auffällt ist nicht nur, dass Henry viele Söldner mietete, sondern dass die Vasallen von Robert Kurzhose zu guten Teilen völlig korrupt und käuflich waren. Man könnte jetzt sagen, dass sie eine "Söldnermentalität" hatten, wenn man letztere nicht dadurch herabsetzen würde. Sicher vermieteten Söldner ihre Dienste an den Meistbietenden, dabei verletzten sie aber normalerweise keine bestehenden Lehnsverhältnisse oder brachen Eide. Natürlich kam es auch bei ihnen zu Verrat und Vertragsbruch, wie es ihnen die kirchlichen Chronisten konstant unterstellen, man findet jedoch wahrscheinlich sogar mehr Belege für ausdauernde Loyalität. Für Beispiele einer solchen Käuflichkeit, wie sie unter den normannischen Baronen üblich war, muss man jedoch lange suchen.

Bei den Lobeshymnen mittelalterlicher Literatur über Treue und Ehre von Rittern lässt sich der Eindruck nicht vermeiden, dass eine erbärmliche Realität verdeckt oder diese relativ unbekannten Werte gar erst publik gemacht werden sollten – die Studie "Über den Prozess der Zivilisation" des großen Soziologen Nobert Elias deutet übrigens genau in diese Richtung. Söldner hatten dagegen oft sehr praktische Gründe für einen gewissen Berufsethos. Wie moderne Profisportler wussten auch sie, dass ihr Verhalten heute über den Vertrag von morgen entscheiden konnte. Ein Beispiel dieser Einstellung ist die Verteidigung von Bridgnorth 1102. Henry I. war zu der Zeit noch damit beschäftigt seine rebellischen Adligen zu unterwerfen und belagerte die mächtige Burg Bridgnorth am Severn des Grafen Robert von Bellême. Da auch die großen Barone inzwischen kaum noch ohne fremde Hilfe kämpften, befand sich in Bridgnorth neben Feudalrittern und der Stadtmiliz auch eine Truppe von 80 Soldrittern.

Weil die Burg schwer einzunehmen war, versprach Henry den Verteidigern, jedem seinen Besitz um Land im Wert von hundert Pfund zu erhöhen. Diese zögerten nicht lange und schickten einen Boten an Robert von Bellême und ließen ausrichten, dass sie nicht länger gegen die Kräfte des unbesiegbaren Königs aushalten könnten. Dann machten sie sich mit den Bürgern daran, die Tore die öffnen. Die Söldner, die von diesen Absprachen nichts wussten, griffen zu den Waffen und wollten die Übergabe verhindern. Erst nachdem sie mit Gewalt in einen anderen Teil der Burg abgedrängt worden waren, konnten die Königlichen eingelassen werden. Henry war von ihrer Loyalität aber so beeindruckt, dass er sie mit Pferden und Waffen abziehen ließ. Als sie aus der Burg ritten, beklagten sie lautstark den Verrat der Ritter und Bürger, damit ihr eigenes Schicksal nicht den Ruf anderer Söldner schädige.

Dank seiner finanziellen Ressourcen, mit denen er Roberts Adel bestechen und genug Söldner mieten konnte, entschied Henry I. den Krieg um die Normandie relativ schnell für sich. 1106 siegte sein Heer entscheidend bei Tinchebrai. Robert und viele gegnerische Anführer kamen in Gefangenschaft. Die gefährlichsten einschließlich seines Bruders hielt Henry lebenslänglich in Haft. Dadurch waren England und die Normandie seit langem wieder vereint und eine der wichtigsten Voraussetzungen für viele der Rebellionen entfallen.

Armbrustschütze Für England brach damit eine für die damalige Zeit lange Phase des Friedens an, wodurch sich die Verwendung von Söldnern erübrigte. Auf dem Kontinent sah dies allerdings ganz anders aus. Hier führte Henry als Herzog der Normandie fast unentwegt Kriege gegen seinen eigenen Lehnsherrn - den König von Frankreich - oder seine Nachbarn die Grafen von Flandern, von Anjou oder die von Maine. Es kam dabei zwar zu keinen großen Schlachten (bei Brémule kämpften auf beiden Seiten lediglich einige hundert Ritter), hauptsächlich verwüstete man das Land des Gegners und kämpfte um den Besitz wichtiger Burgen. Aber gerade hier benötigte Henry als Garnisonen oder bei den zahlreichen Belagerungen Söldnertruppen, die dabei immer mehr zu einer festen Institution wurden.

Aus dem prosperierenden England kamen die Steuern mit denen Henry Flamen, Bretonen und Waliser bezahlte. So sehr die Bevölkerung auch über die Last der Abgaben klagte, so war es doch keine schlechte Lösung. Wahrscheinlich erinnerten sich manche später noch mit Wehmut an die friedlichen Zeiten unter Henry I, als nach seinem Tod (1135) der Kampf um seine Nachfolge ausbrach, der dann Söldner in bislang nicht gekannter Anzahl nach England brachte.

© Frank Westenfelder  


Für Meinungen und Kommentare steht das Blog zur Verfügung: Die Normannen

 


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